Seelsorge im Altenheim kann umsatzsteuerfrei sein
Seelsorgerische Versorgung im Altenheim ist vielen Senioren wichtig.

Seelsorge im Altenheim kann umsatzsteuerfrei sein

 - 

Die seelsorgerische Versorgung eines Altenheims im Umfang von zehn Wochenstunden durch Gottesdienste, Bibelstunden, Bibelgruppen und Einzelseelsorge ist eine Leistung, die von der Umsatzsteuer befreit sein kann.

Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichts (FG) Münster hervor.

Die Leistung im Sinne des § 4 Nr. 27a Umsatzsteuergesetz (UStG) liegt in der »Gestellung von Personal durch religiöse und weltanschauliche [...] für Zwecke geistlichen Beistands«.

Der Anwendungsbereich der Vorschrift ist also eröffnet, wenn die Leistung durch eine religiöse oder weltanschauliche Einrichtung erbracht wird. Dies sei bei einer landeskirchlichen Gemeinschaft in Form eines eingetragenen, als gemeinnützig anerkannten Vereins gegeben, so das FG Münster.

Vorschrift auch für privatrechtlich organisierte Einrichtungen anwendbar

Das Gericht führt aus, unter eine Einrichtung im Sinne des § 4 Nr. 27a UStG könnten auch privatrechtlich organisierte Einrichtungen fallen. Das Wort »religiös« sei das Adjektiv zum Hauptwort Religion und beziehe sich nach dem vorherrschenden Verständnis darauf, dass Menschen ihr Handeln an den Grundlagen ihres jeweiligen Glaubens, etwa an den von Gott gegebenen Grundlagen ausrichten. Eine neutrale Bedeutung des Begriffes beziehe sich ausschließlich auf die Ableitung von Normen aus den Vorstellungen einer Religionsgemeinschaft, ohne diese im Einzelfall moralisch zu werten. Hierfür reiche es aus, wenn ein Verein ausweislich seiner Satzung kirchliche und damit religiöse Zwecke verfolgt.

Vereinssatzung ausschlaggebend

Im entschiedenen Fall genügte es dem Finanzgericht, dass der Verein seiner Satzung zufolge durch die Verkündigung des Evangeliums Menschen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus rufen, in Gottesdiensten und Kleingruppen et cetera Hilfe zum christlichen Leben geben und zur Festigung und Vertiefung des Glaubens führen und das Zeugnis des Evangeliums ausbreiten will (FG Münster, Urteil vom 20.05.2021, Az. 5 K 730/19 U).

auch interessant

(MB)

Weitere News zum Thema
  • [] Wer Lebensmittel oder zubereitete Speisen verkauft, entnimmt gelegentlich Produkte für den eigenen Bedarf. Diese Entnahme muss versteuert werden. Bei der Berechnung der steuerpflichtigen Entnahme kann auf Pauschbeträge zurückgegriffen werden. Diese waren für 2021 eigentlich schon veröffentlicht – wurden nun aber noch einmal geändert. mehr

  • [] Normalerweise muss auch auf Sachspenden Umsatzsteuer abgeführt werden, wenn der der gespendete Gegenstand beim Kauf zum vollen oder teilweisen Vorsteuerabzug berechtigt hatte. Unter bestimmten Voraussetzungen wird auf die Umsatzsteuer für Sachspenden zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2021 verzichtet. mehr

Weitere News zum Thema