Sprachkurs Deutsch für Ausländer: Werbungskostenabzug möglich

 - 

Kosten eines Deutsch-Sprachkurses können für Ausländer Werbungskosten sein. Voraussetzung: Die in Deutschland angestrebte Tätigkeit erfordert das durch den Kurs erreichte Abschlusszeugnis oder Zertifikat.

Das Niedersächsische Finanzgericht stellte sich mit diesem Urteil auf die Seite einer Sportlehrerin aus Kasachstan. Die junge Frau war nach der Hochzeit zu ihrem Mann nach Deutschland gezogen. Um weiter als Sportlehrerin arbeiten zu können, musste Sie ein Aufbaustudium absolvieren. Die Universität forderte, die Frau müsse vor der Einschreibung eine Sprachprüfung bestehen und das erfolgreiche Abschneiden mit einem Zertifikat nachweisen. Aus diesem Grund nahm die Kasachin an mehreren Deutschkursen teil.

Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen nicht als Werbungskosten an. Die Sprachkurse seien nicht beruflich, sondern privat veranlasst. Wer in Deutschland leben wolle, für den gehöre die Sprache zur Allgemeinbildung, begründete die Behörde die Entscheidung.

Das Finanzgericht urteilte zugunsten der jungen Frau. Weil die Sprachprüfung von der Universität vorgeschrieben war, sei der Sprachkurs Teil des Aufbaustudiums. Da sie bereits eine Berufsausbildung als Sportlehrerin habe, sei dieses Studium als Weiterbildung und deshalb die damit verbundenen Kosten als Werbungskosten zu beurteilen (Urteil des FG Niedersachsen vom 24.8.2006, Az. 1 K 11438/02).

Das Finanzamt zeigte sich mit dem Urteil nicht einverstanden und hat Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az. VI R 72/06).

Steuertipp
Betroffene sollten Kosten eines Sprachkurses "Deutsch für Ausländer" als Werbungskosten geltend machen. Fügen Sie einen Nachweis bei, dass der erfolgreiche Abschluss für die Aufnahme eines Berufs zwingende Voraussetzung ist (z.B. durch einen Beleg des Arbeitgebers, Anforderungsprofil in einer Stellenanzeige etc.). Erkennt das Finanzamt die Kosten trotzdem nicht an, legen Sie Einspruch ein. Verweisen Sie auf die anhängige BFH-Klage und beantragen Sie Ruhen des Verfahrens bis zu einem Urteil.

Weitere News zum Thema

  • Corona-Presseschau am Sonntag (heute keine Steuern)

    [] In den letzten Tagen haben wir viel über und rund um das Coronavirus gelesen. Nicht alles davon hatte mit Steuern zu tun... Die folgenden Artikel fanden wir so interessant, dass wir sie hier mit Ihnen teilen möchten. Und Tipps für virtuelle Ausflüge und Unternehmungen haben wir auch. mehr

  • Wahlkampfkosten sind steuerlich nicht abziehbar

    [] Wer sich erfolglos um ein Mandat im Europäischen Parlament bewirbt, kann Fahrten mit dem eigenen Auto, Übernachtungen, Verpflegungsmehraufwand, Arbeitsmittel, Umzugskosten sowie Aufwendungen für doppelte Haushaltsführung, Telefon und Internet nicht als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen. mehr

  • Unfall auf dem Weg zur Arbeit führt zu Werbungskosten

    [] Wer auf dem Weg von zuhause zur Arbeit einen Unfall hat, kann die dabei entstehenden Krankheitskosten in der Steuererklärung als Werbungskosten abziehen. Die Kosten werden nicht bereits von der Entfernungspauschale abgedeckt, entschied der BFH. mehr

  • Kein Arbeitszimmer? So können Sie trotzdem Werbungskosten absetzen

    [] Das Coronavirus sorgt für leere Bürogebäude – wer kann, geht dieser Tage ins Home-Office. Die wenigsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben dort aber ein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer. Arbeitsmittel dürfen Sie trotzdem in der Steuererklärung angeben! mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.