Schummeln bei der Entfernungspauschale ist Steuerhinterziehung!

 - 

Falsche Kilometer-Angaben bei der Strecke Wohnung-Arbeitsstätte können als Steuerhinterziehung gewertet werden. Dem Finanzamt kann nicht ohne Weiteres vorgehalten werden, es hätte die Falschangaben bemerken müssen.

Eine kaufmännische Angestellte gab in ihrer Steuererklärung an, in A zu wohnen und täglich über den Ort B zu ihrem Arbeitsplatz in C zu fahren. Die Strecke betrug angeblich 28km.

Später trat die Angestellte eine Arbeitsstelle in B an. Sie wohnte weiterhin in A – und gab auch weiterhin 28km Fahrtweg bei den Werbungskosten an. Erst nach einigen Jahren fiel einem Sachbearbeiter beim Finanzamt auf, dass mit diesen Angaben etwas nicht stimmen konnte. Denn die Orte A und B lagen nur 10km auseinander.

Das Finanzamt erließ daraufhin für die vergangenen Jahre geänderte Steuerbescheide und forderte von der Angestellten Steuern nach. Die falschen Angaben wurden dabei als Steuerhinterziehung gewertet, was dazu führt, dass die Verjährungsfrist 10 Jahre beträgt.

Die Angestellte gab an, sie sei irrtümlich davon ausgegangen, dass die Entfernungskilometer den tatsächlich gefahrenen Kilometern entsprochen hätten. Zudem hätte dem Bearbeiter schon früher auffallen müssen, dass die Entfernungsangaben falsch sind – nämlich zu dem Zeitpunkt, als sie ihren Arbeitsplatz von C in das näher gelegene B verlegt hatte.

Damit kam sie vor Gericht jedoch nur bedingt weit: Das FG Rheinland-Pfalz nahm lediglich für das Jahr, in dem die Angestellte täglich von A über B nach C gefahren war, an, dass sie davon ausgegangen sei, die tatsächlich gefahrenen Kilometer dürften angegeben werden. Für die folgenden Jahre, in denen sie in B arbeitete, wurde Steuerhinterziehung angenommen. Denn "auch unter Zugrundelegung einer laienhaften Bewertung [müsse es die Klägerin] für möglich gehalten haben, dass sie mit den falschen Angaben einen höheren als den ihr zustehenden Werbungskostenabzug erreiche", erklärten die Richter (Urteil vom 29.3.2011, Az. 3 K 2635/08).

Weitere News zum Thema
  • [] Dichter Schneefall, glatte Straßen und in Gedanken noch oder schon bei der Arbeit: Ein Unfall ist da schnell passiert. Falls Sie die Kosten nicht vom Arbeitgeber ersetzt bekommen, dürfen Sie in Ihrer Steuererklärung Werbungskosten geltend machen! mehr

  • [] Strom, Wasser, Telefon und Heizung – diese Kosten werden im Jahr 2020 durch das Arbeiten im Home-Office eine deutliche Mehrbelastung für alle bedeuten, die von zu Hause arbeiten. Dazu fällt für viele die Pendlerpauschale weg. Dies soll durch die Homeoffice-Pauschale ausgeglichen werden. Doch gelingt dies der Koalition mit ihren Plänen? mehr

  • [] Sie haben es geschafft und das Finanzamt hat Ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich anerkannt. Jetzt sind grundsätzlich alle Kosten als Werbungskosten abziehbar, die Sie dem Arbeitszimmer direkt oder anteilig zuordnen können. Bezügliches des Badezimmers hat der BFH aber ein leider steuerzahler-unfreundliches Urteil gefällt. mehr

Weitere News zum Thema