Musiker: Übungsraum ist ganz normales Arbeitszimmer

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Ein Berufsmusiker bereitet sich in seinem häuslichen Übungszimmer auf die Arbeit vor. Daher handelt es sich bei dem Raum nach Ansicht des BFH um ein ganz normales Arbeitszimmer – mit den entsprechenden Folgen bei den Betriebsausgaben.

Eine selbstständige Berufsmusikerin hatte sich in ihrer Wohnung ein Übungszimmer eingerichtet. In dem Zimmer befanden sich Musikinstrumente (Flügel, Klarinetten und Bratsche), Regale zur Aufbewahrung von Noten sowie ein kleiner Tisch. Den Tisch nutzte die Musikerin zum Anfertigen von Klarinettenblättern, die für das Musizieren mit einer Klarinette benötigt werden. Der Übungsraum war nach außen schallisoliert und nach innen durch Teppichboden und einen schweren Vorhang vor der Tür raumakustisch optimiert.

Ein Arbeitsraum ohne Schreibtisch...

Die Musikerin erklärte gegenüber dem Finanzamt, den Arbeitsraum ausschließlich zum Üben, Vorbereiten und Ausarbeiten von Musikstücken zu nutzen. Tätigkeiten, die üblicherweise in einem Arbeitszimmer ausgeführt werden, seien in dem Zimmer mangels Schreibtisch, Computer und Telefon nicht möglich. Das Finanzamt stufte den Raum dennoch als Arbeitszimmer ein und lehnte es ab, die von der Musikerin in der Steuererklärung angesetzten Raumkosten zu berücksichtigen. Das FG Köln hatte die Auffassung der Musikerin geteilt und den uneingeschränkten Werbungskostenabzug zugelassen.

...ist bei Berufsmusikern trotzdem ein Arbeitszimmer!

Die Richter des BFH schlossen sich jetzt allerdings der Meinung des Finanzamts an und entschieden: Auch ein Berufsmusiker bereitet sich in seinem Raum zu Hause auf die Arbeit vor – genau wie jeder andere Berufstätige auch. Folglich ist der zum Üben genutzte Raum zu Hause ein häusliches Arbeitszimmer. Sofern dem Musiker also zum Beispiel im Theater oder der Konzerthalle ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kann er für den häuslichen Übungsraum keine Betriebsausgaben geltend machen (BFH-Urteil vom 10.10.2012, VIII R 44/10 ).

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