Zweimal pro Tag zur Arbeit: Entfernungspauschale gibt es trotzdem nur einmal

 - 

Wer aus beruflichen Gründen zweimal am Tag vom Wohnort zur Arbeitsstelle fährt, darf bei den Werbungskosten trotzdem nur einmal die Entfernungspauschale ansetzen. Ein weiterer Abzug für die zweite Fahrt ist nicht möglich. Das bestätigt das Hessische FG.

Geklagt hatte ein Musiker, der an einem Theater beschäftigt war. Sein Arbeitsvertrag verpflichtete ihn sowohl zur Teilnahme an Proben als auch an Aufführungen. Wenn die Pause zwischen Probe und Aufführung mehr als vier Stunden betrug, fuhr der Musiker in dieser Zeit nach Hause. Er setzte dann für solche Tage die Entfernungspauschale für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zweimal an.

Das Finanzamt erkannte jedoch nur einmal Entfernungspauschale pro Tag an. Zu Recht, wie jetzt das Hessische FG entschied. Zwar sahen auch die Richter eine Ungleichbehandlung des Musikers gegenüber anderen Arbeitnehmern, die trotz geringer Aufwendungen für Fahrten zur Arbeitsstätte ebenfalls die volle Entfernungspauschale erhalten. Auch sei das sogenannte objektive Nettoprinzip durchbrochen, weil der Kläger zweimal am Tag anfallende Aufwendungen nicht doppelt ansetzen könne.

Ungleichbehandlung: ja; Verfassungswidrigkeit: nein

Darin liege jedoch keine verfassungswidrige Ungleichbehandlung, weil es sich im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern um einen atypischen Fall handele.

Außerdem, erklärten die Richter, bewege sich der Gesetzgeber im Interesse eines vereinfachten Steuerverfahrens mit der einschlägigen gesetzlichen Regelung in § 9 EStG, nach der die Entfernungspauschale nur einmal pro Arbeitstag berücksichtigt wird, innerhalb des ihm zustehenden Typisierungsspielraums (Hessisches FG vom 6.2.2012, 4 K 3301/09 ).

Weitere News zum Thema
  • [] Dichter Schneefall, glatte Straßen und in Gedanken noch oder schon bei der Arbeit: Ein Unfall ist da schnell passiert. Falls Sie die Kosten nicht vom Arbeitgeber ersetzt bekommen, dürfen Sie in Ihrer Steuererklärung Werbungskosten geltend machen! mehr

  • [] Strom, Wasser, Telefon und Heizung – diese Kosten werden im Jahr 2020 durch das Arbeiten im Home-Office eine deutliche Mehrbelastung für alle bedeuten, die von zu Hause arbeiten. Dazu fällt für viele die Pendlerpauschale weg. Dies soll durch die Homeoffice-Pauschale ausgeglichen werden. Doch gelingt dies der Koalition mit ihren Plänen? mehr

  • [] Sie haben es geschafft und das Finanzamt hat Ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich anerkannt. Jetzt sind grundsätzlich alle Kosten als Werbungskosten abziehbar, die Sie dem Arbeitszimmer direkt oder anteilig zuordnen können. Bezügliches des Badezimmers hat der BFH aber ein leider steuerzahler-unfreundliches Urteil gefällt. mehr

Weitere News zum Thema