Wenn die Oma Taxi spielt: Fahrtkosten-Erstattung ist steuerlich absetzbar

 - 

Fahrtkosten gehören zur Kinderbetreuung und können in Höhe von 2/3 der Aufwendungen als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig sein. Das gilt auch dann, wenn die Betreuung an sich kostenlos erfolgt.

Im entschiedenen Fall hatten die beiden Großmütter ihr Enkelkind an mehreren Tagen in der Woche im Haushalt der Eltern des Kindes betreut, während die Eltern bei der Arbeit waren.

Für die Kinderbetreuung selbst erhielten die Großmütter kein Geld, lediglich die entstandenen Fahrtkosten wurden ihnen ersetzt. Diese Regelung hatten die Eltern des Kindes und die Großmütter auch schriftlich festgehalten.

Die Eltern machten die Fahrtkostenerstattungen im Rahmen der erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten in ihrer Steuererklärung geltend.

Das Finanzamt erkannte die Fahrtkosten nicht an, weil es der Meinung war, es handele sich um familieninterne Gefälligkeiten, die außerhalb der Rechtssphäre liegen.

Mehr als familieninterne Gefälligkeit

Die Richter des FG Baden-Württemberg waren anderer Auffassung und erkannten die Kosten an. Die Betreuungsleistungen der Großmütter seien Dienstleistungen im Sinne des § 4f EStG, auch wenn sie unentgeltlich erbracht wurden.

Vereinbarung wie unter fremden Dritten

Es komme nur darauf an, erklärten die Richter, ob die getroffene Vereinbarung zwischen den Eltern des Kindes und den Großmüttern über den Fahrtkostenersatz auch zwischen fremden Dritten so üblich wäre. Das war hier nach Ansicht der Richter der Fall. Dass eine fremde Betreuungsperson für die Betreuungsleistung an sich ebenfalls ein Honorar gefordert hätte, und nicht wie Großmütter unentgeltlich tätig geworden wäre, ist unerheblich (FG Baden-Württemberg vom 9.5.2012, 4 K 3278/11 ).

Kinderbetreuungskosten in der Steuererklärung: Rechtslage ab 1.1.2012

Kosten für die Kinderbetreuung können bis zu einer Höhe von zwei Dritteln, jedoch maximal bis 4.000,00 € je Kind als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Ohne Bedeutung ist, ob die Kinderbetreuung erwerbsbedingt oder nicht erwerbsbedingt ist (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG).

→Informationen zur Rechtslage bis 31.12.2011

Weitere News zum Thema

  • Kind erkrankt, Ausbildungsplatzsuche ruht – was ist mit dem Kindergeld?

    [] Wenn sich ein Kind krankheitsbedingt nicht um einen Ausbildungsplatz kümmern kann oder aufgrund einer Erkrankung seine Ausbildung abbricht, darf die Familienkasse nicht allzu streng sein: In den allermeisten Fällen dürfte der Anspruch auf Kindergeld gesichert sein. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Urteil des FG Schleswig-Holstein hervor. mehr

  • BSG: Nachgezahltes Gehalt bringt höheres Elterngeld

    [] Wie hoch das Elterngeld ausfällt, hängt vom Gehalt vor der Entbindung, genauer: vor dem Beginn der Mutterschutzfrist ab. Das Bundessozialgericht änderte mit einer Entscheidung vom 27.6.2019 seine bisherige Rechtsprechung: Nun müssen auch Gehaltsnachzahlungen, die einer Mutter in der Zeit vor der Entbindung zugegangen sind, bei der Berechnung des Elterngelds berücksichtigt werden (Az. B 10 EG 1/18 R). mehr

  • BSG: Jobcenter muss Schulbücher zahlen

    [] Wenn Kinder länger die Schule besuchen, dann verursacht das Kosten, in manchen Bundesländern, in denen keine Lernmittelfreiheit besteht, auch für Schulbücher. Daran darf der Schulbesuch nicht scheitern, befand das Bundessozialgericht am 8.6.2019 und verurteilte das Jobcenter zur Übernahme der Kosten für Schulbücher, die sich eine Hartz-IV-Leistungen beziehende Schülerin der elften Jahrgangsstufe in Niedersachsen selbst beschaffen musste. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.