Inhaltsübersicht

Corona-bedingte Steueränderungen zur Steuererklärung 2020

Hinweis: In der Redaktion haben wir uns dazu entschieden, zum Zwecke der besseren Lesbarkeit allgemein die männliche Form zu verwenden. Selbstverständlich meinen wir aber immer Angehörige aller Geschlechter.

1. Corona und der Einfluss auf Arbeitszimmer, Home-Office und mobiles Arbeiten

Wie hoch die Werbungskosten sind, die Sie in Ihrer Steuererklärung für 2020 für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen können, hängt davon ab, ob Sie tatsächlich ein »Arbeitszimmer« im steuerrechtlichen Sinn haben oder nur die neue Home-Office-Pauschale in Anspruch nehmen können.

Die wenigsten Arbeitnehmer haben ein »echtes« Arbeitszimmer – denn die Anforderungen dafür sind streng:

  1. Es darf »kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehen«. Das ist schwierig für alle, deren Arbeitgeber keine ausdrückliche Anweisung für das Arbeiten von zuhause gegeben hat, sondern dies nur »empfiehlt«. Das war 2020 in vielen Firmen der Fall: Die Bürogebäude sind grundsätzlich geöffnet, aber eigentlich soll sich keiner dort blicken lassen.

  2. Es muss sich um einen separaten Raum handeln. Wohnung und Arbeitszimmer müssen räumlich voneinander getrennt sein. Ein Schreibtisch im Schlafzimmer oder Wohnzimmer macht aus diesen Räumen keine Arbeitszimmer im steuerrechtlichen Sinn. Auch ein Raum, der neben seiner Funktion als Arbeitszimmer auch als Gästezimmer dient, wird vom Finanzamt nicht als Arbeitszimmer anerkannt.

1.1 Können Sie ein Arbeitszimmer absetzen?

Dazu einige Beispiele:

  • Arbeitnehmer 1 hat von seinem Arbeitgeber empfohlen bekommen, während der Corona-Pandemie von zuhause zu arbeiten. Das Bürogebäude ist aber nach wie vor offen. Er könnte also auch an seinen üblichen Arbeitsort gehen, bleibt aber lieber zuhause. Dort hat er ein Zimmer, das als Arbeitszimmer eingerichtet ist (separater Raum, keine private Mitnutzung als Gästezimmer o.ä.). Ergebnis: Kein Abzug von der Steuer möglich, da ein anderer Arbeitsplatz vorhanden und zugänglich ist.

  • Arbeitnehmer 2 muss während der Corona-Pandemie von zuhause arbeiten (Anordnung des Arbeitgebers). Das Bürogebäude ist abgesperrt, keiner darf es betreten. Zuhause hat er ein Zimmer, das als Arbeitszimmer eingerichtet ist (separater Raum, keine private Mitnutzung als Gästezimmer o.ä.). Ergebnis: Abzug möglich, da ein anderer Arbeitsplatz nicht zugänglich ist.

  • Arbeitnehmer 3 hat von seinem Arbeitgeber empfohlen bekommen, während der Corona-Pandemie von zuhause zu arbeiten. Das Bürogebäude ist aber nach wie vor offen. Er könnte also auch an seinen üblichen Arbeitsort gehen, bleibt aber lieber zuhause. Dort hat kein Arbeitszimmer, sondern einen Schreibtisch im Schlafzimmer. Ergebnis: Kein Abzug möglich, da ein anderer Arbeitsplatz vorhanden und zugänglich ist, außerdem kein Arbeitszimmer im steuerrechtlichen Sinn.

  • Arbeitnehmer 4 muss während der Corona-Pandemie von zuhause zu arbeiten (Anordnung des Arbeitgebers). Das Bürogebäude ist abgesperrt, keiner darf es betreten. Zuhause hat er kein Arbeitszimmer, sondern einen Schreibtisch im Schlafzimmer. Ergebnis: Kein Abzug möglich, da kein Arbeitszimmer im steuerrechtlichen Sinn.

Sind die Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer erfüllt, dürfen Sie die Kosten bis zu 1.250 Euro als Werbungskosten geltend machen. Dieser Höchstbetrag wird übrigens nicht gekürzt, auch wenn Sie das Arbeitszimmer nur für wenige Wochen eingerichtet und genutzt haben.

1.2 Kein Arbeitszimmer – Home-Office-Pauschale

Arbeitsmittel und Telefonkosten können Sie immer bei den Werbungskosten angeben – mehr dazu im Kapitel »Arbeitsmittel sind immer absetzbar«!

Für das Home-Office wurde mit dem Jahressteuergesetz 2020 eine »Home-Office-Pauschale« eingeführt. Damit können Steuerpflichtige auch dann ein Arbeitszimmer geltend machen, wenn sie sich freiwillig dazu entschieden haben, von zuhause zu arbeiten oder den Arbeitsplatz aus Gründen des Gesundheitsschutzes nicht aufzusuchen.

Die Pauschale für das Home-Office gibt es ausdrücklich auch dann, wenn kein abgetrenntes Arbeitszimmer zur Verfügung steht, sondern von der Küche oder dem Wohnzimmer aus gearbeitet wird.

Diese Kosten werden von der Home-Office-Pauschale abgedeckt:

  • anteilige Mietkosten,

  • duch die berufliche Tätigkeit entstandene Kosten für Wasser, Strom und Heizung,

  • anteilige Reinigungskosten,

  • ggf. anteilige Gebäude-Abschreibung (AfA).

Diese Kosten werden von der Home-Office-Pauschale nicht abgedeckt und können zusätzlich als Werbungskosten in der Steuererklärung angegeben werden:

  • Arbeitsmittel,

  • Telekommunikationsaufwendungen (beruflich veranlasste Kosten für Festnetz-Telefon, Handy/Smartphone, Internet, ggf. Fax).

Die Home-Office-Pauschale gibt es 2020 und 2021. Das Finanzamt erkennt pauschal fünf Euro an für jeden Tag, an dem während der Corona-Pandemie ausschließlich von zuhause gearbeitet wurde. Der Betrag ist allerdings gedeckelt, das heißt: mehr als 600 Euro dürfen nicht eingetragen werden. Diese Summe erreichen Sie bei 120 Tagen im Home-Office.

Die Pauschale ist Bestandteil der Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro. Das bedeutet: Wenn Sie außer der Home-Office-Pauschale von 600 Euro keine Werbungskosten hatten bzw. auch mit weiteren Werbungskosten nicht über die Grenze von 1.000 Euro kommen, haben Sie nichts von der Pauschale.

Als erste, schnelle Rechenhilfe haben wir hier einen Excel-Rechner für Sie erstellt, mit dem Sie ausrechnen können, wie sich die Regelung zur Home-Office-Pauschale bei Ihnen auswirkt.

Finanziell deutlich interessanter ist natürlich ein im steuerlichen Sinne »echtes« Arbeitszimmer. Ob Ihr Arbeitszimmer die strengen Voraussetzungen dafür erfüllt, können Sie hier mit unserem »Entscheidungsbaum Arbeitszimmer« ermitteln (kostenloses PDF)

1.3 Sonderfall: Gartenhaus als Arbeitszimmer?

Sie haben im Haus zu wenig Platz für ein Arbeitszimmer, aber einen großen Garten – und haben sich dort ein extra angeschafftes Gartenhaus als Arbeitsplatz eingerichtet, einen eigens zu diesem Zweck gekauften Bauwagen zum Arbeits»zimmer« umgebaut oder sind ähnlich kreativ geworden?

Dann könnten Sie steuerlich das große Los gezogen haben, denn das könnte ein sogenannten »außerhäusliches Arbeitszimmer« sein – und das ist steuerlich viel attraktiver als ein häusliches Arbeitszimmer, denn beim außerhäuslichen Arbeitszimmer ist der Werbungskostenabzug nicht auf maximal 1.250 Euro begrenzt, sondern in voller, unbeschränkter Höhe möglich.

Bevor es soweit ist, müssen Sie aber einige strenge Voraussetzungen erfüllen:

  • Arbeiten nur von zuhause: Sie arbeiten ausschließlich im Gartenhaus, ein anderer Arbeitsplatz steht Ihnen nicht zur Verfügung. Im Zusammenhang mit Corona heißt das auch: Ihr Arbeitgeber hat Ihnen ausdrücklich verboten, das Bürogebäude, in dem Sie sonst tätig waren, zu betreten. Das dürfte für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon die erste große Hürde sein, den viele Arbeitgeber haben 2020 nur eine »Empfehlung« für die Arbeit von zuhause ausgesprochen und die Bürogebäude grundsätzlich geöffnet gelassen.

  • Nur für die Arbeit: Ihr Gartenhaus darf nur als Arbeitszimmer genutzt werden. Sie dürfen darin keine Gartengeräte, Gartenmöbel, Fahrräder usw. aufbewahren.

  • Abstand zum Wohnhaus: Das Gartenhaus muss getrennt vom Wohngebäude stehen und über einen eigenen Eingang verfügen. Ein direkter Zugang vom Wohngebäude darf nicht vorhanden sein.

  • Ganzjährige Nutzung möglich: Sie müssen zu jeder Jahreszeit im Gartenhaus arbeiten können. Dazu sind zum Beispiel eine ausreichende Dämmung/Isolierung und eine Heizung erforderlich.

  • Kein festes Fundament: Wenn Ihr Gartenhaus nicht auf einem festen Beton-Fundament steht, sondern jederzeit wieder abgebaut werden kann, ist es ein »bewegliches Wirtschaftsgut«. Dessen Anschaffungskosten können Sie über mehrere Jahre abschreiben. Laut AfA-Tabelle gilt für Baracken und Schuppen (Gartenhäuser werden nicht ausdrücklich genannt) eine Abschreibungsdauer von 16 Jahren. Das bedeutet eine jährliche Abschreibung von 6,25%.

Wenn Sie diese Voraussetzungen erfüllen, können Sie die folgenden Ausgaben als Werbungskosten geltend machen:

  • Anschaffungskosten (Abschreibung über 16 Jahre mit jeweils 6,25%)

  • Darlehenszinsen, falls Sie den Kauf mit einem Kredit finanziert haben

  • Energiekosten (Strom, Heizung)

  • Versicherung

  • Grundsteuer (anteilig)

  • ggf. Reparaturen, was bei einem nagelneuen Gartenhaus aber eher unwahrscheinlich ist – hier könnte das Finanzamt skeptisch werden.

Die Kosten für die Einrichtung (Schreibtisch, Stuhl, Regale usw.) können Sie auf jeden Fall im Rahmen der Arbeitsmittel als Werbungskosten absetzen.