Wissen und fun facts zur Biersteuer (denn heute ist Tag des Bieres)

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Im Steuerrecht gibt es immer wieder Neues zu entdecken... Anlässlich des Tags des Bieres haben wir uns mit dem Biersteuergesetz beschäftigt und bei dieser Gelegenheit auch die Biersteuerverordnung und die Große Ballingsche Formel kennengelernt. Prost!

Die Biersteuer ist ganz nüchtern betrachtet einfach eine weitere Verbrauchssteuer – in diesem Fall erhoben auf Grundlage des Biersteuergesetzes. Sie erbringt im Jahr Einnahmen von rund 700 Millionen Euro.

Die Biersteuer richtet sich nach dem Stammwürzgehalt des Bieres. Die Maßeinheit ist das Grad Plato (°Plato). Für einen Hektoliter wird ein Regelsteuersatz von 0,787 je Grad Plato erhoben. Der durchschnittliche Stammwürzgehalt eines Bieres beträgt 12 Grad Plato. Damit ergibt sich in den meisten Fällen ein Steuersatz von 9,44 Euro je Hektoliter.

Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich am unteren Ende der Skala. Die höchste Biersteuer wird in Finnland fällig (153,84 Euro pro Hektoliter), es folgen Irland (108,24 Euro pro hl) und Großbritannien (103,57 Euro pro hl). Die drei untersten Plätze belegen Rumänien (8,72 Euro pro hl), Bulgarien (9,2 Euro pro hl) und dann kommt auch schon Deutschland! (Da haben wir tatsächlich mal extrem niedrige Steuern.)

Kleine Brauereien und Hobbybrauer

Für kleinere Brauereien wir eine Steuerermäßigung gewährt: In Abhängigkeit von der Kapazität werden folgende Prozentsätze vom Steuersatz erhoben:

  • Kapazität maximal 5.000 hl: 56 %

  • Kapazität maximal 10.000 hl: 67,2 %

  • Kapazität maximal 20.000 hl: 78,4 %

  • Kapazität maximal 40.000 hl: 84 %

Liegt eine Abhängigkeit zwischen einzelnen Brauereien vor, so ist der Gesamtausstoß aller Brauereien maßgebend.

Klingt kompliziert? Ist es auch... Daher wir für die Berechnung der Biersteuer von der Zollverwaltung ein eigenes Datenverarbeitungs-Verfahren eingesetzt: Anhand der von den Brauereien übermittelten Daten zum Bierabsatz, Art der Biere, Stammwürzegehalt und evtl. Rückbiere errechnet dieses Programm sowohl die Höhe der monatlich zu entrichtenden Biersteuer als auch die unversteuerten Abgänge in EG-Mitgliedstaaten und Drittländer.

Wichtig: Bier, das Sie zuhause als Haus- und Hobbybrauer in ihrem Haushalten ausschließlich zum eigenen Verbrauch herstellen und nicht verkaufen, ist bis zu einer Menge von 2 hl je Kalenderjahr von der Steuer befreit. Vergessen Sie aber nicht, den Beginn der Herstellung und den Herstellungsort dem zuständigen Hauptzollamt vorab anzuzeigen und in der Anzeige die Biermenge anzugeben, die voraussichtlich innerhalb eines Kalenderjahres erzeugt wird. Das bestimmt § 41 der Biersteuerverordnung – was es nicht alles gibt... ;-)

Historie

Die Biersteuer ist eine der ältesten Abgaben auf Verbrauchsgüter in Deutschland und wurde schon im Mittelalter erhoben. Sie hieß damals Bierungeld, Bierziese, Bierpfennig oder Trankgeld oder wurde als Schank- oder Malzaufschlag erhoben.

Fun facts

  • Die Biersteuer ist die einzige Verbrauchsteuer, die zwar vom Zoll als Bundesbehörde verwaltet wird, deren Erträge aber den Bundesländern zustehen.

  • Schuldner der Biersteuer ist auch die Person, die bei einer unrechtmäßigen Entnahme (z.B. bei einem Diebstahl aus dem Steuerlager) das Bier entnommen hat oder in deren Namen das Bier entnommen wurde sowie jede weitere Person, die an der unrechtmäßigen Entnahme beteiligt war.

  • Auch eine Person, die das Bier aus der Beförderung entnommen hat oder in deren Namen das Bier entnommen wurde sowie jede Person, die an der unrechtmäßigen Entnahme beteiligt war und wusste oder vernünftigerweise hätte wissen müssen, dass die Entnahme unrechtmäßig war, wird zum Schuldner der Biersteuer.

  • Bier kann von der Steuer befreit sein, wenn es unter Steueraufsicht vernichtet wird.

  • Bier kann auch dann von der Steuer befreit sein, wenn es von Brauereien an ihre Angestellten und Arbeiter als Haustrunk unentgeltlich abgegeben wird.

  • Es gibt natürlich auch einen Biersteuerbescheid und eine Statistik, die zum 20. jeden Monats zu veröffentlichen ist. Die Zuständigkeit hierfür liegt beim Hauptzollamt Stuttgart - Sachgebiet B - Arbeitsgebiet Biersteuer.

  • Die Formel zur Berechnung der Stammwürze heißt Große Ballingsche Formel. Diese rückwärts gewandte Besteuerung vom Fertigfabrikat (genussfertiges Bier) auf die Beschaffenheit eines Rohstoffes (unvergorene Würze) ist innerhalb des Verbrauchsteuerrechts einmalig.

Quellen

Zahlen zum EU-Vergleich von Statista

Große Ballingsche Formel (und mehr)

Biersteuergesetz

Biersteuerverordnung

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