Vorsteuerabzug für die Privatwohnung des Unternehmers: Die Reaktion der Finanzverwaltung

 - 

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum "Fall Seeling" vom 8.5.2003 hat hohe Wellen geschlagen. Es ermöglicht bei bestimmten Voraussetzungen Unternehmern den Vorsteuerabzug für die eigene Privatwohnung, wenn sich diese in einem gemischt genutzten Gebäude befindet. Bei dieser Gestaltung können enorme Liquiditätsvorteile erreicht werden. Nach der bisherigen deutschen Rechtsauffassung dagegen war es nicht möglich, die Vorsteuer aus den anteiligen Baukosten für die Wohnung geltend zu machen.

Fast ein Jahr lang herrschte absolute Funkstille der Finanzverwaltung zu diesem Thema. Anträge von Unternehmern wurden zur Seite gelegt und nicht bearbeitet. Dann kam die Reaktion in Form von drei BMF-Schreiben vom 30.3.2004 und vom 13.4.2004. Natürlich hatten Umsatzsteuer-Fachleute damit gerechnet, dass die Finanzverwaltung versuchen würde, dem attraktiven Seeling-Modell das Wasser abzugraben. Schließlich ging es um drohende Steuerausfälle in beängstigender Größenordnung. Doch was jetzt in diesen Verwaltungsanweisungen neu geregelt wird, ist schon sehr erstaunlich:

  • Die Bemessungsgrundlage für den Eigenverbrauch wird schlagartig verfünffacht. Das BMF geht für die Umsatzsteuer von einer Jahres-Afa von 10 % aus (bisher 2%). Damit wird die Vorsteuererstattung bereits nach zehn Jahren durch die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch kompensiert.
  • Die Entnahme eines Grundstücks, das dem Unternehmen zugeordnet worden ist, soll umsatzsteuerpflichtig sein. Bisher war sie umsatzsteuerfrei. Diese Änderung stellt ein hohes finanzielles Risiko für den Unternehmer dar.
  • Altfälle: Wenn ein Unternehmer das Seeling-Modell für ein Gebäude in Anspruch nimmt, das vor dem 1.7.2004 gekauft bzw. hergestellt worden ist, sollen die Verschärfungen rückwirkend gelten.



Diese neuen Vorschriften sind rechtlich äußerst fragwürdig. Mit Sicherheit wird es dazu schon bald gerichtliche Auseinandersetzungen geben. Letzten Endes wird wieder der Europäische Gerichtshof über die Rechtmäßigkeit entscheiden müssen. Solange gibt es leider für Bauherren keine endgültige Sicherheit über die finanziellen Vorteile dieser Gestaltung.

Weitere News zum Thema

  • Finanzamt erfasst Rente falsch: keine offenbare Unrichtigkeit

    [] Der Finanzbeamte wird ich wohl etwas dabei gedacht haben, wenn er von der Steuererklärung abweicht und sich nur auf die ihm vorliegenden elektronischen Daten bezieht. Das meint das FG Münster und ließ die Änderung des bestandskräftigen Steuerbescheids nicht zu. mehr

  • Nicht jeder muss eine Steuererklärung abgeben

    [] ...aber jeder darf! Oft erhalten genau diejenigen Steuerzahler, die nicht zur Abgabe verpflichtet sind, eine Steuererstattung. Will das Finanzamt wider Erwarten doch Geld sehen, kann die Steuererklärung zurückgenommen werden. mehr

  • Vorschau: Das will der BFH 2017 entscheiden

    [] Der BFH hat eine Liste derjenigen Verfahren veröffentlicht, bei denen voraussichtlich im laufenden Jahr mit einer Entscheidung gerechnet werden kann. Wir haben die wichtigsten Verfahren aus den Bereichen Kapital, Vermietung, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Erbschaft- und Schenkungsteuer für Sie zusammengestellt. mehr

  • Statistisches: Verfahren am Bundesfinanzhof

    [] Auch im Jahr 2016 bestätigen die statistischen Zahlen die positive Entwicklung der letzten Jahre , teilt der Bundesfinanzhof erfreut mit. Von wie vielen Verfahren sprechen wir hier? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.