Vollautomatische Steuererklärung ab 2022?

Die Bundesregierung will die Steuerklärungen durch den Einsatz automatisierter Systeme in den Finanzämtern massiv vereinfachen – fragt sich nur, für wen.

Am morgigen Mittwoch will das Bundeskabinett seinen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens auf den parlamentarischen Weg bringen. Schon heute sind die Zeitungen voll davon.

Ziel der Regierung ist es, bis 2022 ein vollautomatisches, elektronisches Steuerverfahren aufzubauen, das sowohl Bürger als auch Finanzämter entlasten soll.

Die Vereinfachung für die Finanzämter liegt auf der Hand – alle Daten kommen einheitlich elektronisch, werden durch ein Analyse-Programm gejagt, und fertig ist die erste grobe Überprüfung. Nur in Einzelfällen wird dann noch genau hingeschaut.

Was uns als Vereinfachung für die Bürger verkauft werden soll, ist allerdings mal wieder ein Witz:

  • Unter anderem sollen Belege wie Spendenquittungen künftig nur noch auf Verlangen ans Finanzamt geschickt werden müssen. Ok, ein Briefumschlag gespart und ein paar Cent fürs Porto bzw. den Gang zum Briefkasten des Finanzamts.

  • Steuerpflichtige sollen ihre Daten über Elster beim Finanzamt abrufen, prüfen und in ihre digitale Steuererklärung übernehmen können. Das ist nicht neu, sondern wird bei der Vorausgefüllten Steuererklärung schon angewendet.

  • Daten Dritter wie des Arbeitgebers, der Krankenkasse oder über Kapitaleinkünfte sollen ebenfalls elektronisch eingefügt werden. Diese Felder mussten wir bisher tatsächlich noch von Hand ausfüllen.

  • Dann folgt: Automatische Übermittlung, automatische Prüfung, elektronischer Steuerbescheid.

Die wirkliche interessanten Sachen aber, mit den Sie Steuern sparen können, kann die Finanzverwaltung nicht kennen und daher nicht zum Abruf und zur automatischen Übernahme zur Verfügung stellen: Werbungskosten, Sonderausgaben, Handwerkerleistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen, Kinderbetreuungskosten und so weiter.

Fazit also: Für die Finanzverwaltung wird es einfacher; die Möglichkeit, kleine und größere Schummeleien aufzudecken, steigt – aber für den Steuerbürger ist das nicht der große Wurf. Und darüber haben nun Bund und Länder eineinhalb Jahre nachgedacht und diskutiert...

Noch ein Wort zum Zeitplan: Die Rechtsgrundlage für die Volldigitalisierung soll zum 1.1.2017 geschaffen und dann bis 2022 flächendeckend umgesetzt werden.

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