Standby-Wohnung begründet keinen steuerlichen Wohnsitz

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Eine sogenannte Standby-Wohnung, die ohne uneingeschränkte Verfügungsmöglichkeit abwechselnd mit anderen Personen genutzt wird, führt in der Regel nicht zu einem steuerlichen Wohnsitz, entschied das FG Hessen.

Der Fall betraf einen Pilot, der sich in seinem Arbeitsvertrag verpflichtet hatte, auf Abruf seines Arbeitgebers innerhalb von 60 Minuten den Flugdienst antreten zu können. Der Pilot, der eigentlich im europäischen Nicht-EU-Land wohnte, hatte zusammen mit anderen Piloten eine sog. Standby-Wohnung (4ZKBB) angemietet. Hauptmieter war einer seiner Kollegen.

Das Finanzamt war der Meinung. dass mit der Standby-Wohnung ein Wohnsitz in Deutschland vorliege, mit der Folge, dass der Kläger in Deutschland nicht nur den Inlandsanteil seines Arbeitslohns versteuern muss, sondern seine gesamten Einkünfte.

Nur drei Schlüssel für mehr als drei Nutzer

Das FG Hessen sah das anders. Die Richter erklärten: Wer, wie der hier betroffene Pilot, eine Wohnung im ständigen Wechsel mit anderen Personen nutzt, begründet dort in aller Regel keinen Wohnsitz nach § 8 AO. Schließlich habe der Pilot die Wohnung nur dann nutzen können, wenn diese nicht zuvor von drei anderen Kollegen in Beschlag genommen wurde – denn auf die Wohnungsschlüssel konnten nur drei Nutzer gleichzeitig zugreifen.

Kein uneingeschränkter Zugriff auf die Wohnung

Damit, so die Richter, fehle es aber an der Möglichkeit, in zeitlicher und räumlicher Hinsicht uneingeschränkt über die Wohnung zu verfügen. Es habe auch keine gemeinsame Nutzungsmöglichkeit wie beispielsweise in einer Wohngemeinschaft bestanden. Vielmehr habe der Kläger immer damit rechnen müssen, sich anstelle der Standby-Wohnung ein anderes Übernachtungsquartier suchen zu müssen (Hessisches FG vom 13.11.2012, 3 K 1062/09 ; Az. der Revision VI R 13/13).

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