Schulgeld in Australien zahlen und in Deutschland absetzen?

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Kann Schulgeld, das für den Besuch einer Schule in Australien gezahlt wurde, bei den Sonderausgaben steuermindernd berücksichtigt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich das FG Rheinland-Pfalz.

Der Fall: Die Tochter des Klägers besuchte im Streitjahr 2005 zunächst die zehnte Klasse eines Gymnasiums in Rheinland-Pfalz. Ab Juli 2005 besuchte sie die 11. Klasse einer Schule in Sydney. Die Schule war nicht von der Kultusministerkonferenz als "Deutsche Schule" in Australien anerkannt. In ihrer Steuererklärung machten die Kläger u.a. Aufwendungen für den Schulbesuch in Australien in Höhe von 13.642 Euro und für Schulgeld in Höhe von 6.299 Euro geltend. Das Finanzamt erkannte die Kosten jedoch nicht an.

Die Argumente der Kläger: Die Kläger stützten ihre Klage vor allem auf zwei Argumente:

  • Erstens sei ihre Tochter von ihrer Schule in Rheinland-Pfalz beurlaubt worden, um vom Juli 2005 bis zum Juli 2006 ein australisches Gymnasium zu besuchen. Nach ihrer Rückkehr habe sie die 12. Klasse besucht und anschließend ihre Abiturprüfung abgelegt. Die Kosten erklärten sich vor allem durch die Schulgebühren und die Unterbringungs- und Verpflegungskosten. Nach Ansicht der Kläger müsse den Eltern die Entscheidung überlassen werden, auf welche Schule sie ihr Kind schickten - entscheidend sei, ob es sich um eine Schule handele, die mit einer regulären deutschen Schule vergleichbar sei.
  • Zweitens sei der Schulbesuch im Ausland auch sachgerecht, denn für eine Vielzahl von Berufen seien im Ausland erlernte Sprachkenntnisse erforderlich. Es sei anzuerkennen, wenn Eltern ihren Kindern diesen Weg eröffnen würden. Diese Sichtweise habe der Gesetzgeber 2009 (mit Wirkung ab 2008) inzwischen auch für den Schulbesuch in EU-Staaten übernommen und den Abzug solcher Aufwendungen grundsätzlich zugelassen. Es könne nicht darauf ankommen, dass die von der Tochter in Australien besuchte Schule von der Kultusministerkonferenz nicht formell anerkannt worden sei.

Das Urteil: Vor dem FG Rheinland-Pfalz hatten sie mit diesen Argumenten keinen Erfolg. Die Richter stellten klar: Schulgeld kann bei den Sonderausgaben nur berücksichtigt werden

  • bei staatlich genehmigten oder nach Landesrecht erlaubten Ersatzschulen sowie
  • bei anerkannten allgemein bildenden Ergänzungsschulen.

Die Anknüpfung an schulrechtliche Begriffe wie z. B. "Ersatzschule" zeigt, dass die Qualifizierung einer Schule nicht den Finanzämtern überlassen ist, sondern dass die Finanzämter an die Entscheidungen der obersten Kultusbehörden der Länder gebunden sind. Neben den Ersatz- und Ergänzungsschulen würden auch die von der Kultusministerkonferenz anerkannten "Deutschen Schulen" im Ausland steuerlich gefördert. Die formale Anerkennung der im Ausland befindlichen Deutschen Schule durch die Anerkennung der Kultusministerkonferenz ist dabei jedoch zwingend erforderlich (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 13.9.2010, Az. 5 K 1010/10).

Hintergrund: Schulgeld - das können Sie geltend machen

Als "Schulgeld" können Sie alle Aufwendungen geltend machen, die Ihnen die Schule für den normalen Schulbetrieb in Rechnung stellt. Dazu gehören beispielsweise:

  • Laufende Kosten, z.B. für Instandhaltung, Versicherungen, Lehrmittel (Papier, Tafeln, Ausstattung der Klassenzimmer etc.);
  • laufende Kosten für das Personal wie Lehrergehälter oder Aufwendungen für die Lehrerfortbildung usw.;
  • Miete für die Unterrichtsräume, Absetzung für Abnutzung bei schuleigenen Gebäuden;
  • Kosten für Klassenfahrten oder Exkursionen, wenn sie von der Schule getragen werden.

30% des Schulgeldes sind als Sonderausgaben abziehbar. Allerdings gilt ein Abzugsbetrag von maximal 818 Euro.

Das Schulgeld müssen Sie übrigens nicht direkt an die Schule zahlen. Begünstigt sind auch Zahlungen an einen Förderverein, der die entsprechenden Beträge zur Deckung der Schulkosten an die Schule weiterleitet

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