OECD: Steuerbelastung ist für Gering- und Durchschnittsverdiener besonders hoch

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Durch die geringeren Beiträge zur Arbeitslosenversicherung ist in Deutschland im vergangen Jahr auch die Gesamtbelastung der Arbeitseinkommen durch Steuern- und Sozialbeiträge gesunken. Im OECD-Vergleich liegt sie aber besonders für Gering- und Durchschnittsverdiener weiter auf hohem Niveau.

Dies geht aus den jüngsten Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Steuer- und Abgabenlast hervor, die am 11. März in Paris veröffentlicht wurden.

So beliefen sich im vergangen Jahr laut der Studie Taxing Wages 2007 in Deutschland Steuern und Sozialabgaben für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener auf 52,2 Prozent der Arbeitskosten (Bruttoverdienst plus Sozialbeiträge der Arbeitgeber). Dies sind 1,1 Prozentpunkte weniger als 2006. Nach Schweden und Island war das der stärkste Rückgang innerhalb der OECD. Nach wie vor hat Deutschland aber die dritthöchste Abgabenlast innerhalb der OECD. "Deutschland bewegt sich mit der stärkeren Steuerfinanzierung der Sozialleistungen in die richtige Richtung. Diese Strategie sollte entschlossen fortgesetzt und durch umfassendere Reformen für eine Verminderung der Belastung der Arbeitseinkommen ergänzt werden", sagte Christopher Heady, Leiter der Abteilung Steuerpolitik und Statistik der OECD.

Betrachtet man die Entwicklung seit 2000, so ist auch hier die Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen für fast alle untersuchten Haushaltstypen gesunken. Wichtige Ausnahme sind Alleinerziehende mit geringem Einkommen. Die Entlastungen sind allerdings sehr unterschiedlich verteilt und konzentrieren sich auf die Bezieher höherer Einkommen. So hat die Abgabenlast für Gering- und Durchschnittsverdiener trotz deutlich niedrigerer Steuersätze seit 2001 in den vergangen Jahren kaum abgenommen. Gut verdienende Singles haben dagegen deutlich geringere Abzüge als noch im Jahr 2000.

Ein Grund für diese unterschiedliche Entwicklung ist die sogenannte "kalte Progression", die die Steuerlast in einem progressiven Steuersystem schon allein durch höhere Nominallöhne steigen lässt. So sah die Steuerreform von 2001 für Durchschnittsverdiener eine Entlastung um 2 Prozentpunkte vor und damit fast in der gleichen Größenordnung wie für Spitzenverdiener. Bei den Durchschnittseinkommen ist durch Inflation und eine geringe Reallohnsteigerung von dieser Steuersenkung nun fast nichts mehr übrig.

Besonders weit über dem OECD-Mittel liegt in Deutschland die Abgabenlast für Alleinerziehende mit geringem Einkommen (zwei Kinder und 2/3 des Durchschnittslohns). Für diesen Personenkreis liegt die Abgabenquote im OECD-Mittel um rund 80 Prozent unter deutschem Niveau. Hintergrund für diesen großen Unterschied ist, dass viele OECD-Länder diesem Personenkreis umfangreiche staatliche Transfers gewähren. In einigen Ländern führt das dazu, dass der Arbeitnehmer sogar netto mehr in der Tasche hat als der Arbeitgeber brutto zahlt.

Trotz der hohen Belastungen auf durchschnittliche Arbeitseinkommen sind in Deutschland die Gesamteinnahmen des Staates aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen vergleichsweise gering. So lag 2006 der Anteil der Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen bei 35,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit unter dem OECD-Schnitt.

Als Durchschnittslohn wird der durchschnittliche Jahresbruttoverdienst eines Vollzeitarbeitnehmers in der Privatwirtschaft herangezogen (Deutschland 2007: 42.949 Euro). Ausgedrückt in US-Dollar zu Kaufkraftparitäten (US-Dollar PPP) entspricht das 49.744 US-Dollar PPP. Im OECD-Schnitt lag das durchschnittliche Jahresbrutto bei 34.033 US-Dollar PPP (ungewichtetes Mittel).

(Quelle: Pressemitteilung der OECD vom 11.3.2008; hier gekürzt wiedergegeben)

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