Neue Hoffnung für Steuerpflichtige, die die zweijährige Frist für die Abgabe der Steuererklärung verpasst haben

 - 

Wer nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, darf freiwillig eine Steuererklärung abgeben (sog. Antragsveranlagung ). Dafür haben Sie zwei Jahre Zeit. Ihre Steuererklärung zum Beispiel für das Jahr 2002 müssen Sie bis 31.12.2004 beim Finanzamt abgegeben haben. Das erscheint zwar auf den ersten Blick mehr als genug Zeit zu sein, doch es passiert immer wieder: Die Abgabe der Steuererklärung wird so lange verschoben, bis die Frist versäumt ist.

Folge der Fristversäumung: Das Finanzamt bearbeitet Ihre Steuererklärung nicht, die erhoffte Steuererstattung ist deshalb dahin. Dass Sie von der Frist vielleicht gar nichts wussten, lässt die Finanzverwaltung als Entschuldigungsgrund für die Fristversäumung bisher nicht gelten. Ihrer Ansicht nach werde in der amtlichen »Anleitung zur Einkommensteuererklärung« und im »Kleinen Ratgeber für Lohnsteuerzahler« auf die zweijährige Frist hingewiesen.

Diese Ansicht teilte das Niedersächsische Finanzgericht nicht. Es verurteilte ein Finanzamt dazu, eine Steuererklärung zu bearbeiten, obwohl sie erst nach Ablauf der zweijährigen Frist beim Finanzamt eingegangen war. Der Steuerpflichtige hatte von der zweijährigen Frist nichts gewusst und Wiedereinsetzung beantragt (Niedersächsisches FG vom 10.12.2003, Az. 4 K 508/01; noch nicht veröffentlicht; Az. der Beschwerde VI B 11/04).

In den Urteilsgründen heißt es u.a.: Die Hinweise bezüglich der Abgabefrist in der Anleitung zur Einkommensteuererklärung und im Ratgeber für Lohnsteuerzahler seien »schwer verständlich«. Und weiter: »Die Hinweise in beiden Anleitungen erschließen jedoch nur demjenigen Steuerbürger ihre Bedeutung, der genügend Fachkenntnisse besitzt ...Wer nicht weiß, ob er zu dem Kreis der ... Antragsveranlagten gehört, für den sind diese Hinweise ohne Aussagewert.« Darüber hinaus würde auf die Folgen einer verspäteten Abgabe der Steuererklärung an einer Stelle hingewiesen, »wo ein solch bedeutender Hinweis nicht mehr erwartet wird.«

Das klingt gut, doch leider ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Das Finanzamt hat beim BFH Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt (Niedersächsisches FG vom 10.12.2003, Az. 4 K 508/01; noch nicht veröffentlicht; Az. der Beschwerde VI B 11/04).

Unser Steuertipp:

Haben Sie von der zweijährigen Abgabefrist nichts gewusst und haben Sie deshalb Ihre Einkommensteuererklärung zu spät abgegeben? Dann stellen Sie einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Berufen Sie sich auf das Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts (Niedersächsisches FG vom 10.12.2003, Az. 4 K 508/01; noch nicht veröffentlicht; Az. der Beschwerde VI B 11/04).

Für diesen Antrag müssen Sie allerdings wieder eine Frist beachten: Sie müssen ihn innerhalb eines Monats, nachdem Sie von der zweijährigen Abgabefrist erfahren haben, stellen.

Weitere News zum Thema

  • Steueränderungen ab 2017

    [] 2017 treten einige Änderungen hinsichtlich Formalitäten und Nachweisen in Kraft, die wir Ihnen hier kurz vorstellen. mehr

  • Steuertermine Dezember 2016

    [] Hier finden Sie die aktuellen Termine für die Abgabe Ihrer Steuererklärungen und für Ihre Steuervorauszahlungen. mehr

  • Mehr netto mit Lohnsteuer-Freibeträgen: jetzt kostenlose Software nutzen

    [] Statt einmal im Jahr können Sie Ihre Steuerrückerstattung auch monatlich erhalten: Wer beispielsweise Kinderbetreuungs- oder Unterhaltskosten hat, regelmäßig spendet oder weit zur Arbeit fahren muss, bezahlt Monat für Monat zu viel Lohnsteuer. Erst mit der Steuererklärung im nächsten Jahr erhalten Sie die zu viel bezahlte Lohnsteuer vom Finanzamt zurück. Das muss nicht sein! mehr

  • Nach der Trennung die richtige Steuerklasse wählen

    [] Auch wenn Ihre Ehe gerade in die Brüche geht, ist es wichtig, dass Sie sich in steuerlichen Angelegenheiten weiterhin einig sind. Das kann sich für beide Partner auszahlen und Sie müssen weniger Geld zu Rechtsanwälten und Steuerberatern tragen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.