Mehr Geld für den oder die Ex: So setzen Sie Unterhaltszahlungen steuerlich ab

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Das Bundesverfassungsgericht kippt die Rechtsprechung des BGH und erklärt: Der Unterhalt darf nicht von vorneherein gekürzt werden, wenn der zahlungspflichtige Partner wieder heiratet. Unterhaltszahler sollten daher wissen, dass sie Unterhalt steuerlich geltend machen können.

Nach dem jetzt veröffentlichten Urteil müssen wahrscheinlich tausende von Unterhaltsansprüchen neu berechnet werden. Betroffen sind Fälle, in denen der Unterhaltszahler wieder heiratet. Darf er dann den Unterhalt an den geschiedenen und (wieder) berufstätigen  Partner kürzen, da er jetzt eine „neue“ Familie zu versorgen hat? Ja, hatte der BGH im Jahr 2008 gesagt. Nein, sagt das BVerfG im Jahr 2010 (Beschluss vom 25.1.2011, Az. 1 BvR 918/10).

Um was es im Urteil des BGH gegangen war, können Sie hier nachlesen.

Die Verfassungsrichter nannten das Urteil des BGH einen Systemwechsel, der zu weit gehe – einen solchen dürfe nur die Gesetzgebung einleiten. Konsequenz: Für die Unterhaltsberechnung sind allein die Lebensverhältnisse im Zeitpunkt der Scheidung relevant, eine erneute Heirat ändert daran nichts.

Unterhaltskosten in der Steuererklärung


Unterhaltsleistungen an den Ex-Ehepartner können Sie entweder

  • als Sonderausgaben (sogenanntes Realsplitting nach § 10 Abs. 1 Nr. 1 EStG) oder
  • als außergewöhnliche Belastung nach § 33 a EStG
geltend machen.

Als Unterhaltspflichtiger können Sie wählen, für welchen Abzug Sie sich entscheiden. Es gibt aber nur ein Entweder-oder: Entscheiden Sie sich für den Sonderausgabenabzug, gilt das für die gesamten Unterhaltsleistungen an den Ex-Partner. Auch die den Höchstbetrag übersteigenden Beträge können dann nicht als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.

Allgemeine Regeln für die optimale Entscheidung gibt es nicht. Sie sollten deshalb für Ihren Fall genaue Berechnungen und Überlegungen anstellen. Grundsätzlich gilt aber:

  • Der Abzug als außergewöhnliche Belastung bringt keine so hohe Steuerersparnis. Zudem scheitert er oft daran, dass der Unterhaltsberechtigte noch andere Einkünfte hat, z.B. aus einer Teilzeitbeschäftigung.
  • Der Abzug als Sonderausgaben ist wegen der maximal möglichen Steuerersparnis gerade bei höheren Unterhaltszahlungen vorteilhafter. Er erfordert aber ein einheitliches Vorgehen der geschiedenen Ehepartner gegenüber dem Finanzamt.
Abzug als außergewöhnliche Belastung

Vorteile Nachteile
Das Verfahren ist einfacher. Im Jahr sind maximal 8.004 Euro abzugsfähig.
Der Unterhaltsempfänger muss die Unterhaltszahlungen nicht versteuern. Einkünfte und Bezüge des Unterhaltsempfängers über 624 Euro mindern den abzugsfähigen Betrag.
Eine Zustimmung des Unterhaltsempfängers ist nicht erforderlich.  

Abzug als Sonderausgaben (Realsplitting)

Vorteile Nachteile
Höhere Steuerersparnis möglich, weil abzugsfähiger Betrag wesentlich höher. Unterhaltsempfänger muss grundsätzlich die Unterhaltszahlungen versteuern.
Unterhaltspflichtiger kann frei entscheiden, wie viel er geltend machen will. Unterhaltsempfänger muss schriftliche Zustimmung zum Realsplitting geben.
Freibeträge und Abzugsbeträge des Unterhaltsempfängers können ausgenutzt werden. Deshalb bleiben Unterhaltszahlungen oft steuerfrei. Unterhaltsempfänger muss eventuell Einblick in seinen Steuerbescheid gewähren.
Ein Abzug ist bereits im Trennungsjahr möglich. Wird die Zustimmung verweigert, muss sie eingeklagt werden.

Sonderfall im Jahr der Trennung

Im Jahr der Trennung werden in der Regel die Unterhaltszahlungen nicht steuerlich berücksichtigt, da die noch mögliche Zusammenveranlagung steuerlich meist günstiger ist. Bei getrennter Veranlagung ist im Trennungsjahr nur das Realsplitting möglich.

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