Krankenkassenbeiträge bei freiwillig gesetzlich versicherten Arbeitnehmern oft zu niedrig ausgewiesen

 - 

In vielen, zum Beispiel über die DATEV abgerechneten Lohnsteuerbescheinigungen wurde unter Nr. 25 und Nr. 26 irrtümlich nur der auf den Arbeitnehmer entfallende Anteil des Beitrags ausgewiesen. Werden diese wesentlich niedrigeren Werte in die Anlage Vorsorgeaufwand übernommen hat dies negative Auswirkungen auf die Steuerberechnung.

Bei freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten Arbeitnehmern werden in der Lohnsteuerbescheinigung für 2010 vom Arbeitgeber Angaben zu den Krankenversicherungsbeiträgen unter den drei folgenden Nummern gemacht:

  • Unter Nr. 24 werden die steuerfreien Arbeitgeberzuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung ausgewiesen. Dieser Wert wird in der Steuererklärung in die Zeile 37 der Anlage Vorsorgeaufwand übernommen.
  • Unter Nr. 25 werden die vom Arbeitnehmer insgesamt geleisteten Beiträge an die gesetzliche Krankenversicherung, also der komplette Gesamtbeitrag ausgewiesen. Dieser Wert gehört in die Zeile 12 der Anlage Vorsorgeaufwand.
  • Unter Nr. 26 werden die vom Arbeitnehmer insgesamt geleisteten Beiträge an die soziale Pflegeversicherung, also der Gesamtbeitrag ausgewiesen. Dieser Wert gehört in die Zeile 15 der Anlage Vorsorgeaufwand.

Nun ist folgendes Problem aufgetaucht: In vielen, zum Beispiel über die DATEV abgerechneten Lohnsteuerbescheinigungen wurde unter Nr. 25 und Nr. 26 irrtümlich nur der auf den Arbeitnehmer entfallende Anteil des Beitrags ausgewiesen. Werden diese wesentlich niedrigeren Werte in die Anlage Vorsorgeaufwand übernommen hat dies negative Auswirkungen auf die Steuerberechnung. Denn das Einkommensteuer-Programm der Finanzverwaltung geht davon aus, dass die Gesamtbeiträge bescheinigt sind. Folge: Die Vorsorgeaufwendungen werden viel zu niedrig berechnet, da bei der Berechnung die steuerfreien Arbeitgeberzuschüsse von den (in diesen Fällen bereits gekürzten) Arbeitnehmerbeiträgen abgezogen werden.

Beispiel

Das Jahresgehalt von Frau Söhnlein liegt über 45.000 Euro. Sie hat Kinder und ist das gesamte Jahr 2010 freiwillig gesetzlich krankenversichert.

  Gesamtbeitrag ausgewiesen Nur anteilig ausgewiesen
Beiträge lt. Nr. 25 6.705 Euro 3.555 Euro
Beiträge lt. Nr. 26 877,56 Euro 438,84 Euro
./. Zuschüsse lt. Nr. 24 3.588,72 Euro 3.588,72 Euro
vom Finanzamt berücksichtigte Beiträge 3.993,84 Euro 405,12 Euro

Woran erkennen Sie, ob Ihre Lohnsteuerbescheinigung betroffen ist?

Ob die Beiträge in der Lohnsteuerbescheinigung zu gering ausgewiesen sind, erkennen ganzjährig freiwillig Versicherte daran, dass Nr. 24 und Nr. 25 annähernd den gleichen Betrag ausweisen. In anderen Fällen sollten Sie prüfen, ob die unter Nr. 25 und Nr. 26 ausgewiesenen Beiträge Ihr Gesamtbeitrag sind. Den Gesamtbeitrag können Sie aus Ihren Gehaltsabrechnungen oder durch Nachfrage bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse ermitteln.

Sind Sie betroffen, übernehmen Sie bei der Erstellung Ihrer Steuererklärung in die Zeilen 12 bzw. 15 der Anlage Vorsorgeaufwand nicht die unter Nr. 25 und Nr. 26 der Lohnsteuerbescheinigung zu gering ausgewiesenen Beiträge, sondern die ermittelten Gesamtbeiträge.

Da die Werte der Lohnsteuerbescheinigung bereits elektronisch an die Finanzverwaltung gesendet wurden, sollten Sie auch bei richtiger Eingabe in die Anlage Vorsorgeaufwand Ihren Steuerbescheid in diesem Punkt eingehend prüfen!

Weitere News zum Thema

  • Steuerbescheid prüfen: So geht's

    [] Es gibt spannendere Texte als den Steuerbescheid, so viel ist sicher. Trotzdem sollten Sie ihn ganz genau lesen – auch wenn es schwerfällt und nach viel Arbeit aussieht. Unsere kostenlose Checkliste hilft Ihnen dabei. mehr

  • Sozialversicherung: Neue Bemessungsgrenzen für 2020

    [] Das Bundeskabinett hat die neuen Rechengrößen in der Sozialversicherung für das Jahr 2020 beschlossen. Demnach steigen die Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung sowie weitere wichtige Werte. mehr

  • Steuertermine Oktober 2019

    [] Hier finden Sie die aktuellen Termine für die Abgabe Ihrer Steuererklärungen und für Ihre Steuervorauszahlungen. mehr

  • 7. Sommerinterview bei Steuertipps

    [] Seit Anfang August haben wir Ihnen jeden Mittwoch eine Kollegin oder einen Kollegen aus dem Verlag vorgestellt. Zum Abschluss unserer Reihe lesen Sie heute Interessantes über das Tätigkeitsfeld von Stefan Pfohl, unserem Produkt- & Qualitätsmanager Steuersoftware. mehr

  • 6. Sommerinterview bei Steuertipps

    [] Von August bis Mitte September stellen wir Ihnen jeden Mittwoch eine Kollegin oder einen Kollegen aus dem Verlag vor. Heute gibt Ihnen unsere Fachredakteurin Maike Backhaus einen Einblick in Ihren Arbeitsalltag. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.