Kosten für Erststudium und Erstausbildung wohl auch künftig keine Werbungskosten

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Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium sollen auch in Zukunft nicht als steuerliche Werbungskosten oder Betriebsausgaben berücksichtigt werden. Es bleibt beim Abzug als Sonderausgaben, teilt der Bundestag mit. Der abziehbare Betrag soll allerdings erhöht werden.

Nach Urteilen des Bundesfinanzhofes (BFH), der das bisherige Abzugsverbot für nicht klar genug definiert gehalten hatte, beschlossen die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und FDP in einer Sitzung des Finanzausschusses am 26.10.2011 eine "Klarstellung der vom Gesetzgeber gewollten Rechtslage". Die Klarstellung wurde in den Gesetzentwurf zur Umsetzung der Beitreibungsrichtlinie sowie zur Änderung steuerlicher Vorschriften eingefügt.

Außerdem soll es ab 2012 eine Erhöhung des Sonderausgabenabzugs für Ausbildungskosten von derzeit 4.000 auf 6.000 Euro geben. Die Koalitionsfraktionen stimmten dem Entwurf zu; SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich der Stimme.

In der Begründung des Änderungsantrages zu den Ausbildungskosten heißt es, mit den Änderungen werde verdeutlicht, "dass die erste Berufsausbildung und das Erststudium als Erstausbildung der privaten Lebensführung zuzuordnen sind". Diese Grundentscheidung folge auch den Grundsätzen des Sozialrechts, in dem diese Ausbildungsbereiche der Bildungsförderung und nicht der Arbeitsförderung unterliegen würden.

Klarstellung rückwirkend ab 2004

Die Klarstellungen sollen rückwirkend für Veranlagungszeiträume ab 2004 gelten. Unter Berufung auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts schreiben die Koalitionsfraktionen, eine rückwirkende gesetzliche Regelung sei hier zulässig, "da der Gesetzgeber lediglich eine Gesetzeslage wiederherstellt, die vor der Rechtsprechungsänderung durch den BFH einer gefestigten Rechtsprechung und Rechtspraxis entsprach" (Deutscher Bundestag, Pressemitteilung vom 26.10.2011).

Sonderausgaben oder Werbungskosten? Das macht finanziell viel aus!

Ob eine Bildungsmaßnahme als Berufsausbildung oder Fortbildung qualifiziert wird, kann finanziell einen großen Unterschied machen. Nicht nur, weil bei den Sonderausgaben der Höchstbetrag zu beachten ist, sondern auch, weil sich eventuelle Verluste beim Werbungskostenabzug noch in späteren Jahren positiv bemerkbar machen.

  • Die Sonderausgaben haben folgenden Nachteil: Einen Verlust, der durch den Sonderausgabenabzug entsteht, können Sie nicht in spätere Jahre vortragen. Konsequenz: Haben Sie während Ihres Studiums oder Ihrer Ausbildung keine oder nur geringe Einnahmen (maximal bis zum Grundfreibetrag), wirken sich Ausbildungskosten auch in späteren Jahren nicht steuermindernd aus. Das gilt insbesondere bei Kosten von mehr als 4.000 Euro pro Kalenderjahr.
  • Anders beim Werbungskostenabzug: Entsteht durch ihn ein Verlust, kann dieser in spätere Jahre vorgetragen werden. Dadurch sinken die Steuern in den ersten Jahren der Berufstätigkeit nach dem Studium bzw. nach der Ausbildung. In den meisten Fällen ist der Werbungskostenabzug besser. Anders ist es, wenn Ihre eigenen Einkünfte während des Studiums über dem Grundfreibetrag liegen, Sie aber nur Werbungskosten unterhalb des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von zurzeit 920 Euro jährlich haben. Dann ist der Sonderausgabenabzug günstiger.

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