Kann die Günstigerprüfung nachgeholt werden?

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Mit der Günstigerprüfung kann in der Steuererklärung eine niedrigere Besteuerung der Kapitalerträge als mit der Abgeltungssteuer erreicht werden. Kann diese Prüfung auch nach Ablauf der Einspruchsfrist noch nachgeholt werden?

Die Prüfung durch das Finanzamt, ob die Besteuerung der Kapitalerträge mit dem Abgeltungssteuersatz von 25% oder mit dem persönlichen Steuersatz nach dem Grund- oder Splittingtarif günstiger ist (§ 32d Abs. 6 EStG), muss über die Zeile 4 der Anlage KAP beantragt werden. Werden in der Anlage KAP keine Kapitalerträge angegeben, ist folglich auch keine Günstigerprüfung möglich.

Ob nach Ablauf der Einspruchsfrist, wenn der Steuerbescheid bereits bestandskräftig ist, die Kapitalerträge noch in der Anlage KAP nachgemeldet und die Günstigerprüfung beantragt werden kann, ist derzeit unklar. Aus dem Gesetz ergibt sich hierzu keine klare Aussage.

Zumindest müsste dies möglich sein, wenn im Folgejahr ein Verlust (z.B. aus Gewerbebetrieb) festgestellt und ins Vorjahr zurückgetragen wird. Dann sinkt nämlich im Vorjahr das zu versteuernde Einkommen, sodass der persönliche Grenzsteuersatz von ursprünglich über auf jetzt unter 25% sinken kann. Dann lohnt sich auch eine Günstigerprüfung für die Kapitalerträge. Da der Verlust erst im Folgejahr entstanden ist, konnte das der Steuerpflichtige im Vorjahr, als er auf die Günstigerprüfung sinnvollerweise verzichtete, noch nicht wissen.

Betroffene Steuerpflichtige sollten bei einem Verlustrücktrag nochmal genau nachrechnen, ob dadurch im Vorjahr auch die nicht gemeldeten Kapitalerträge mit weniger als 25% besteuert würden. Ist dies der Fall, kann die ausgefüllte Anlage KAP nachgereicht und die Günstigerprüfung durch Ankreuzen der Zeile 4 beantragt werden. Gemäß § 177 Abs. 2 AO sollte dies zulässig sein.

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