Bundesgerichtshof: Entschädigungsansprüche bei Vereitelung der Reise durch Überbuchung des Hotels

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Zwei Reisekunden hatten einen 2-wöchigen Urlaub auf einer bestimmten Malediven-Insel gebucht und bezahlt. Sie wollten am "Hausriff" dieser Insel schnorcheln und tauchen. Eine Woche vor Reisebeginn teilte ihnen der Reiseveranstalter jedoch mit, das ausgewählte Hotel sei überbucht. Er bot ihnen ein Ersatzquartier auf einer anderen Malediven-Insel an. Weil diese aber kein "Hausriff" hatte und somit die günstigen Tauchsportmöglichkeiten fehlten, lehnten die Kunden das Angebot ab. Sie erhielten daraufhin den bereits bezahlten Reisepreis zurück. Zudem verlangten sie eine Entschädigung in Höhe des halben Reisepreises für "entgangene Urlaubsfreude". Sie begründeten dies damit, den Urlaub zuhause verbracht zu haben. Das bestritt der Veranstalter und zahlte nicht.

Der Bundesgerichtshof konnte anhand dieses Falles mehrere reiserechtliche Grundsatzfragen klären:
Das Angebot eines Ersatzquartiers an einem anderen Urlaubsort seitens des Reiseveranstalters muss ein Reisekunde grundsätzlich nicht annehmen. Ausnahme: Die Ablehnung des Ersatzangebots ist rechtsmissbräuchlich, beispielsweise wenn das Ersatzquartier mit dem gewählten Hotel gleichwertig ist. Zur Beurteilung dieser Frage kommt es maßgeblich auf den subjektiven Urlaubswunsch des Kunden an. Im entschiedenen Fall handelten die Kunden nicht rechtsmissbräuchlich, da sie im Urlaub schnorcheln und tauchen wollten, die ersatzweise angebotene Insel aber kein "Hausriff" hatte.

Lehnt der Kunde das Ersatzangebot berechtigt ab (z. B. weil das angebotene Ersatzquartier dem gebuchten nicht gleichwertig ist), kann er nach § 651 f Abs. 2 BGB eine Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude verlangen. Vorausgesetzt wird für diesen Entschädigungsanspruch, dass die Reise vereitelt oder erheblich beeinträchtigt ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn das gewählte Urlaubsziel überbucht ist. Dann hat der Reisekunde im Sinne des Gesetzes "die Urlaubszeit nutzlos aufgewendet". Dabei kommt es nicht darauf an, dass der verärgerte Kunde tatsächlich zuhause seinen Urlaub verbringen muss. Er kann die Entschädigung auch verlangen, wenn er auf eigene Faust eine Ersatzreise unternimmt, eine von einem anderen Reiseveranstalter durchgeführte Ersatzreise bucht oder wenn er während der geplanten Urlaubszeit arbeitet. Der Reisekunde muss nicht beweisen, dass er zuhause geblieben ist.

Im entschiedenen Fall erhielten die Reisekunden, die ihre Reise infolge der Überbuchung gar nicht antreten konnten, eine Entschädigung in Höhe der Hälfte des Reisepreises zugesprochen. Eine höhere Summe kann nur in besonderen Ausnahmefällen verlangt werden. Beispielsweise, wenn ein Reisender während einer Reise so schwere Beeinträchtigungen erleidet, dass er sich im Urlaub "überhaupt nicht erholen konnte". Dann ist eine Entschädigung bis zur Höhe des Gesamtreisepreises denkbar.
BGH, Urteil v. 11. 1. 2005, Az. X ZR 118/03

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