Bankhaftung für Falschberatung: Aktienfonds sind keine konservative Geldanlage

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Der Aktienkurssturz von Frühjahr 2000 bis zum Frühjahr 2003 beschäftigt nicht nur die Gemüter der Geschädigten, sondern inzwischen auch viele Gerichte. Jüngst verklagte eine Kundin ihre Bank auf € 27.609,- Schadensersatz. Für diesen Betrag hatte sie Anfang 2000 Anteile des DIT-Altersvorsorge Fonds 55 erworben, die drei Jahre erheblich an Wert verloren hatten. Zuvor hatte die Kundin.

  • in einem persönlichen Beratungsbogen unter anderem erklärt, dass sie ihr Vermögen in Anleihen, einem offenen Immobilienfonds und einer Lebensversicherung angelegt habe.
  • Die Klägerin wünschte ausdrücklich Anleihen,
  • kreuzte auf einem Beratungsbogen als Anlagementalität "konservativ" an und
  • gab als Anlagedauer einen mittelfristigen Zeitrahmen von bis zu fünf Jahren vor.

Die Bank riet zum Kauf von Anteilen des DIT-Fonds, der einen Anleiheanteil von 35 %, einen Immobilienanteil von 15 % und einen Aktienanteil von 50 % auswies.

Das betrachteten die Richter des Landgerichts Berlin als "unseriöses Geschäftsgebaren" (LG Berlin, Az. 10 O 448/03). Denn laut Verkaufsprospekt verfolgte der strittige Fonds einen langfristigen Kapitalzuwachs, die Klägerin wollte sich aber gerade nur auf einen mittelfristigen Anlagehorizont einlassen. Auch hielt das Gericht die Beratung für fehlerhaft, weil gegen den erklärten Willen der Kundin eine risikoreiche Anlage ins Depot genommen wurde und die Kundin nicht darüber aufgeklärt wurde, dass der Fonds auch in Aktien investierte.

Weil die Klägerin weder Erfahrung in der Aktienanlage noch ausreichende Kenntnisse über Aktien an sich verfüge, sei die Aufklärung der Bank viel zu oberflächlich gewesen, befanden die Richter. Eine konservative Geldanlage bedeute, dass das eingesetzte Kapital erhalten bliebe. Das sei aber bei einer Anlage in einem Fonds, der in Aktien investiere, nicht der Fall, urteilte das Gericht und billigte der Kundin den begehrten Schadensersatz zu.

Unser Geldtipp:
Das Urteil zeigt einmal mehr, dass die Gerichte an die Wertpapierberatung der Banken außerordentlich hohe Anforderungen stellen. Falsch beratene Kunden haben so eine realistische Chance auf Schadensersatz. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass präzise Vorgaben für die gewünschte Form der Vermögensverwaltung bzw. eine konkrete Kapitalanlage formuliert wurden. Und natürlich auch nur dann, wenn diese Vorgaben nachweisbar sind. Es lohnt also, sich über seine Kapitalanlage Gedanken zu machen und diese schriftlich in einem gemeinsamen Papier mit dem Bankberater zu dokumentieren.

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