Argentinien-Anleihen: Umschuldung rückt näher

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Seinen für Anfang Oktober 2003 geplanten Staatsbesuch in Deutschland sagte Argentiniens Präsident Néstor Kirchner aus Angst vor den Gläubigern ab. Erzürnte Anleger hatten gedroht, die Präsidentenmaschine kurzerhand pfänden zu lassen. Doch trotz dieser und vielerlei anderer Aktivitäten haben die privaten Sparer, denen Argentinien die gigantische Summe von 87 Mrd. US-Dollar schuldet, seit der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit im Dezember 2001 noch nicht einen Cent erhalten. Dabei sind in den 87 Mrd. Schulden die ausstehenden Zinsen in Höhe von 13 Mrd. Dollar noch gar nicht eingerechnet.

Auf Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat das argentinische Finanzministerium nun angekündigt, die Forderungen der rund 70.000 privaten Anleihegläubiger ernsthaft prüfen zu wollen. Zunächst sind Gespräche mit drei der insgesamt 25 Gläubigergruppen geplant, die rund 38 % der Privatschuldner repräsentieren. Danach sollen Gespräche mit Gruppen aus den USA, Japan, Italien und Deutschland folgen (deutsche Investoren halten ungefähr 5 % der ausstehenden Forderungen oder umgerechnet rund 4,4 Mrd. Dollar).

Dabei erwartet Argentinien einen Verzicht der privaten Sparer in Höhe von drei Viertel ihrer Forderungen. Was am Ende herausschaut, lässt sich kaum abschätzen. Die Tatsache aber, dass Argentinien-Anleihen an der Börse derzeit mit etwa 27 bis 31 % ihres Nennwertes gehandelt werden, lässt vermuten, dass noch "etwas mehr drin ist". Schließlich kann es sich Argentinien bei vernünftiger Betrachtung auch mit den privaten Gläubigern auf Dauer nicht verderben - mit den großen institutionellen Investoren hat man sich bereits im September 2003 geeinigt.

Auch steuerlich ist die Behandlung der erlittenen Verluste noch ungeklärt. Derzeit liegt beim Bundesfinanzministerium eine Anfrage, ob Argentinien-Papiere als Finanzinnovationen einzustufen sind. In diesem Falle könnten Anleger die Verluste mit anderen positiven Einkünften, z. B. aus ihrem Arbeitsverdienst, verrechnen und hätten so wenigstens noch einen Steuervorteil. Die Banken behandeln die Anleihen bei der Depotführung schon jetzt entsprechend, was z. B. beim Verkauf der Anleihen zu hoher (aber anrechenbarer!) Zinsabschlagsteuer führt. Die Finanzämter scheinen dagegen eher die Argentinien-Bonds als ganz normale Festverzinsliche einstufen zu wollen. Kursverluste sind dann steuerlich nicht berücksichtigungsfähig.

Unser Geldtipp:

Wer seine Argentinien-Anleihen noch nicht verkauft hat und das Kapital nicht dringend braucht, sollte das Ergebnis der Umschuldungsverhandlungen abwarten. Haben Sie Ihre Argentinien-Verluste bereits realisiert, können Sie überlegen, die Verluste in Ihrer Steuererklärung als negative Kapitaleinnahmen einzutragen bzw. diese mit anderen positiven Kapitalerträgen zu verrechnen. Weisen Sie aber bei Abgabe der Steuererklärung Ihren Sachbearbeiter klar darauf hin, dass Sie negative Kapitaleinnahmen aus Argentinien-Bonds geltend machen. Verweisen Sie bei Rückfrage des Finanzamtes auf die Behandlung durch die Banken. Gegen einen ablehnenden Bescheid des Finanzamtes können Sie Einspruch einlegen und Ruhen des Verfahrens beantragen, bis vom Bundesfinanzministerium eine Stellungsnahme oder bis ein entsprechendes Urteil der Finanzgerichte vorliegt.

Wer nachweislich (!) sichere Anleihen erwerben wollte und von seinem Wertpapierberater Argentinien-Anleihen empfohlen bekam, kann außerdem erwägen, seine Bank wegen fehlerhafter Anlageberatung auf Schadensersatz zu verklagen. Hierzu gibt es bereits erste Urteile, z. B. vom Landgericht Münster.

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