Aktienkauf auf Kredit: Muss Direktbank Kunden warnen?

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Wenn die Aktienkurse steigen, sieht die Welt rosig aus. Manch einer ist dann zu einem Aktienkauf auf Kredit bereit. Doch wenn die Kurse später wieder fallen, kann das schnell ins Auge gehen und zum finanziellen Ruin führen.

So erging es auch einem Doktoranden, im Nebenberuf Werbetexter, mit einem Jahreseinkommen von rund DM 30.000,- (? 15.000,-). 1998 hatte er bei der Direktbank Consors (heute Cortal Consors) ein Wertpapierdepot nebst Depotbegleitkonto eröffnet. Bei der Depoteröffnung gab er an, sich im Wertpapiergeschäft einschließlich hochriskanter Papiere bestens auszukennen. Er unterschrieb auch die Hinweise der Direktbank, dass sie als Discount-Broker weder berate noch aufkläre, dass der Anleger seine Geschäfte in Eigenregie durchführe und dass auch bei sehr risikofreudigen Anlegern kreditfinanzierte spekulative Engagements einen bestimmten Teil der Gesamtanlage nicht überschreiten sollten.

Nachdem der Anleger zunächst Geschäfte auf Guthabenbasis getätigt hatte, finanzierte er seine Wertpapierkäufe bald mit Krediten und zu Lasten seines weit überzogenen Depotkontos. Und trotz mehrerer Mahnungen der Direktbank erwarb er weiter hoch spekulative Papiere. Im Jahr 2000 brach der Aktienmarkt ein. Als der Anleger daraufhin begann, seine Wertpapiere zu verkaufen, reichten die Erlöse nicht aus, um seine Schulden bei der Direktbank zu begleichen. Die restlichen Kreditverbindlichkeiten beliefen sich schließlich auf knapp DM 300.000,-(? 150.000,-), die die Bank zuzüglich Zinsen zurückforderte.

Der gescheiterte Spekulant hielt dagegen, die Bank sei vielmehr ihm zum Schadensersatz verpflichtet. Schließlich habe sie ihn nicht ausreichend über die Risiken seiner Kreditspekulation aufgeklärt. Außerdem sei es pflichtwidrig von der Bank gewesen, Kontoüberziehungen über seine Leistungsfähigkeit hinaus zu dulden. Das sahen die Richter am BGH aber anders (Urteil vom 11. 11. 2003, Az. XI ZR 21/03): Die standardisierte Aufklärung des Kunden zu den Risiken aus Wertpapiergeschäften sei ausreichend gewesen. Insbesondere sei der Anleger auch über die Gefahren kreditfinanzierter Spekulationsgeschäfte informiert worden. Wenn er mehrfache Mahnungen und Warnungen der Bank ignoriere, könne diese nicht für den Ersatz des entstandenen Schadens herangezogen werden.

Es sei es nicht Aufgabe einer Bank, ihre Kunden durch eine Einschränkung ihrer Entscheidungsfreiheit vor sich selbst zu schützen. Dies gelte auch bei objektiv unvernünftigen Entscheidungen eines nach eigenen Angaben erfahrenen Anlegers. Der Anleger will jetzt mit einer Verfassungsbeschwerde klären lassen, ob die Direktbank auf der Rückzahlung des Kredits bestehen kann.

Unser Geldtipp:

In der Vergangenheit haben die Gerichte Haftungsfragen zwar häufig zu Gunsten geschädigter Anleger entschieden. Das ist aber kein Freibrief für riskante Spekulationen auf dem Rücken der Bank. Halten Sie es im Zweifel mit dem bekannten Börsianer André Kostolany: "Kaufe niemals Aktien auf Kredit!" Falls Sie trotzdem Aktien auf Pump erwerben möchten, wägen Sie die Risiken sorgfältig ab und arbeiten Sie immer mit Stop loss, das heißt einer Marke, bei deren Erreichen Sie Verluste ohne Wenn und Aber realisieren. Und natürlich sollten diese Verlustbegrenzung Ihren finanziellen Verhältnissen angemessen sein.

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