Warum Steuerberater keine Süßkartoffeln essen (Glosse)

 - 

Zwei Steuersätze kennt das deutsche Umsatzsteuergesetz. Normalerweise sind noch 16% fällig. Einige Waren und Dienstleistungen werden ermäßigt mit 7% besteuert. Welche das sind, pflegte ein Dozent einer Finanzhochschule wie folgt zusammenzufassen: »Körperliche und geistige Nahrung, sowie Fahrten mit Bus und Bahn werden mit 7% besteuert. Die Lebensmittel können auch in der Bahn verzehrt werden, allerdings nicht im Speisewagen. Dort würde der Satz auf 16% steigen.«

Was uns diese Eselsbrücke sagen will: Die Zutaten einer Mahlzeit werden mit dem ermäßigten Satz besteuert. Lassen Sie sich das fertig zubereitete Essen im Restaurant servieren sind dagegen 16% fällig. Auch an dieser Stelle hat die deutsche Vorliebe für Einzelfall- und Ausnahmeregelungen offensichtlich ihre Spuren hinterlassen.

Anlass genug für die FDP-Koalition im Bundestag, den 140-seitigen Katalog der Zweifelsfälle unter die Lupe zu nehmen und eine durchaus ernst gemeinte Anfrage an die Bundesregierung zu richten.

Die sollte zum Beispiel erklären, warum für »Islandmoose« der ermäßigte, für »isländisch Moos« dagegen der volle Steuersatz erhoben wird. Eine ganze Reihe weiterer Unterscheidungen leuchtete den Freien Demokraten nicht ein: Hausschweine, Frühkartoffeln, Futtermais und Tomatenpüree werden mit 7% besteuert. Wildschweine, Süßkartoffeln, Zuckermais und Tomatenketchup aber mit 16%. 29 solcher offensichtlicher Ungereimtheiten hatte die FDP gefunden.

Die Bundesregierung ließ sich davon nicht beeindrucken und bügelte die Anfrage ab: Die Besteuerung sei unterschiedlich, weil dies so im Zolltarif stehe. Punkt. Das wusste die FDP sicher auch schon vorher. Sie war wohl eher neugierig, ob die Regierung eine solche Gesetzgebung für sinnvoll hält. Eine Antwort darauf blieben CDU und SPD leider schuldig.

Weitere News zum Thema

  • Umsatzbesteuerung von Jagdgenossenschaften ab 2017

    [] Ab 2017 unterliegt die Verpachtung der Jagd mit dem Regelsteuersatz von 19 % der Umsatzsteuer. Eine Übergangsregelung ermöglicht jedoch die Anwendung des bisherigen Rechts bis Ende 2020, der Antrag hierzu muss bis 31.12.2016 gestellt werden. Darauf weist das LfSt Bayern hin. mehr

  • Umsatzsteuerliche Einordnung einer Online-Partnervermittlung

    [] Mit auf elektronischem Weg erbrachten sonstigen Leistungen i.S. des Umsatzsteuerrechts beim Bereitstellen einer Datenbank (Suchmaschine) im Internet hat sich der BFH beschäftigt. Einfacher ausgedrückt ging es um eine Online-Partnervermittlung. mehr

  • Tomatis-Therapie nur mit Umsatzsteuer

    [] Die Umsätze aus therapeutischen Maßnahmen für Hör- und Wahrnehmungsstörungen nach der Tomatis-Methode sind nicht als ähnliche heilberufliche Tätigkeit gemäß § 4 Nr. 14 UStG umsatzsteuerfrei. mehr

  • Gewährung des Vorsteuerabzugs aus Billigkeitsgründen

    [] Vorsteuerabzug im Billigkeitsverfahren setzt voraus, dass der Unternehmer gutgläubig war und alle Maßnahmen ergriffen hat, die vernünftigerweise von ihm verlangt werden können, um sich von der Richtigkeit der Angaben in der Rechnung zu überzeugen und seine Beteiligung an einem Betrug ausgeschlossen ist. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.