Vorsteuerabzug bei rückwirkender Rechnungsberichtigung?

 - 

Wenn keine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt, gibt es keinen Vorsteuerabzug. Was auf den ersten Blick einfach klingt, führt in der Praxis immer wieder zu Streit. Zum Beispiel bei der Frage: Was passiert, wenn eine Rechnung rückwirkend korrigiert wird?

Wann genau darf Vorsteuer geltend gemacht werden? Fällt die Antwort anders aus, wenn eine Rechnung rückwirkend korrigiert wird? Die Antwort auf die erste Frage hat der Europäische Gerichtshof bereits gegeben, an der zweiten arbeitet er gerade.

Schon vor einigen Jahren hatte das Niedersächsische FG dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) die Frage vorgelegt, wie mit dem Vorsteuerabzug zu verfahren sei, wenn eine Leistung in einem Jahr erbracht wurde, die Rechnung dafür aber erst im Folgejahr eingegangen ist (Rs C-152/02). Die Richter erklärten damals:

  • Das Recht auf Vorsteuerabzug entsteht, wenn der Steueranspruch entsteht – also sobald die Dienstleistung oder Lieferung bewirkt wird.

  • Die Ausübung des Rechts ist jedoch an den Besitz der Originalrechnung geknüpft.

  • Um den Vorsteuerabzug geltend zu machen, müssen beide Voraussetzungen erfüllt sein.

Jetzt hat sich das Niedersächsische FG wieder in Sachen Vorsteuer an den EuGH gewandt (Vorlagebeschluss vom 3.7.2014, Az. 5 K 40/14). Diesmal geht es um die Frage, ob die eben genannten Voraussetzungen auch dann gelten, wenn eine unvollständige Rechnung später ergänzt wird (konkret hatte in der Rechnung die Steuernummer bzw. die USt.-ID gefehlt).

Wenn der Unternehmer hier erst dann die Vorsteuer ziehen dürfte, wenn ihm eine korrekte Rechnung erstellt wird, hätte er einen finanziellen Nachteil. Das Niedersächsische FG überlegt nun, ob in solchen Fällen eine Rückwirkung zulässig ist. Sprich: Man tut bezüglich des Vorsteuerabzugs so, als wäre die Rechnung von Anfang an korrekt gewesen. Die Finanzverwaltung war jedoch der Meinung, eine Rechnungsberichtigung könne keine Rückwirkung entfalten.

Falls sich der EuGH der Überlegung der Finanzrichter anschließt und die Rückwirkung zulässt, müsste er zusätzlich noch klären, ob und ggf. welche Mindestanforderungen an eine rückwirkungsfähige Rechnung zu stellen sind. Ein Aktenzeichen des EuGH liegt noch nicht vor.

Weitere News zum Thema

  • Umsatzsteuerliche Rückabwicklung in sog. Bauträger-Fällen

    [] Ein Bauträger schuldet die Umsatzsteuer aus den von ihm bezogenen Bauleistungen solange, bis er den Steuerbetrag an die leistenden Bauunternehmer bezahlt hat, wenn er rechtsirrig von einer nach § 13b Abs. 5 Satz 2, Abs. 2 Nr. 4 UStG bestehenden Umkehr der Steuerschuldnerschaft ausgegangen ist. mehr

  • BFH: Umsatzsteuerpflicht bei Fahrschulen zweifelhaft

    [] Der BFH zweifelt an der Umsatzsteuerpflicht für die Erteilung von Fahrunterricht zum Erwerb der Fahrerlaubnisklassen B (Pkw-Führerschein) und C1. Er hat dem Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) daher die Frage vorgelegt, ob Fahrschulen insoweit steuerfreie Leistungen erbringen. mehr

  • Umsatzsteuer: Wenn Sie Ihr Wissen weitergeben...

    [] Sie sind schon eine Weile selbstständig und können sich noch gut an Ihre Probleme in der Anfangsphase erinnern. Daher möchten Sie Ihr Wissen weitergeben und engagieren sich für einen Lotsendienst für Gründer. Preisfrage: Sind Ihre Leistungen umsatzsteuerpflichtig? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.