Umsatzsteuerpflicht "privater" eBay-Verkäufe

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Veräußern Sie regelmäßig Gegenstände über die Internetplattform eBay, erzielen dadurch erhebliche Einnahmen, führen aber keine Umsatzsteuer an das Finanzamt ab? Dann sollten Sie weiterlesen.

Solange Sie hin und wieder private Haushaltsgegenstände im Internet oder auf anderen Gebrauchtwarenmärkten verkaufen, sind die daraus resultierenden Einnahmen nicht umsatzsteuerpflichtig.

In diesem Zusammenhang stellen sich aber Fragen: Kann auch eine umfangreiche Verkaufstätigkeit noch als privat eingestuft werden, oder ist die Grenze zum unternehmerischen Handeln ab einem bestimmten Punkt überschritten? Die Antworten haben weitreichende Konsequenzen. Sie entscheiden unter anderem darüber, ob Umsatzsteuer an das Finanzamt zu zahlen ist. In den Mittelpunkt rücken dabei drei Aspekte: die Dauer der Verkaufstätigkeit, die Zahl der Verkäufe und die erzielten Einnahmen.

Zunächst eine erfreuliche Nachricht: Selbst bei umfangreichen Verkäufen über einen längeren Zeitraum muss es sich noch nicht um eine umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit handeln. Der Ausweg heißt hier: private Sammlertätigkeit. Der BFH entschied vor vielen Jahren: Das Veräußern einer privaten Sammlung in einer oder auch in mehreren gleichartigen Handlungen ist nicht umsatzsteuerpflichtig, da der Verkauf von Gegenständen Teil der privaten Sammeltätigkeit ist.

Das FG Baden-Württemberg musste nun darüber entscheiden, ob sich die Rechtsprechung des BFH auch auf "private" Internetverkäufe übertragen lässt, wenn sich die Verkäufe über mehrere Jahre hinziehen, insgesamt 1.200 Gebrauchsgegenstände (im Durchschnitt sieben pro Woche) veräußert und dadurch pro Jahr Einnahmen zwischen 20.000 Euro und 30.000 Euro erzielt werden.

Das Gericht hielt die Grenze zur unternehmerischen Tätigkeit im konkreten Fall für überschritten und entschied sich damit für die Umsatzsteuerpflicht. Nach Auffassung des Gerichts war die Verkaufstätigkeit nachhaltig und auf die Erzielung von Einnahmen gerichtet. Deutliches Zeichen dafür waren die Dauer und Intensität der Verkaufstätigkeit, die von Anfang an verfolgte Absicht, hohe Verkaufserlöse zu erzielen und die Unterschiedlichkeit der veräußerten Gegenstände (u.a. Puppen, Porzellan, Modellbauteile, Füllfederhalter und Münzen), die nicht aus einer Sammlung stammten.

Die Folge: Da die Einnahmen die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer in Höhe von 17.500 Euro pro Jahr überschritten, musste der Verkäufer Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 22.9.2010, Az. 1 K 3016/08, EFG 2011 S. 583).

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