Umsatzsteuer: Konsequenzen eines aberkannten Arbeitsverhältnisses

 - 

Wenn das Finanzamt den Arbeitsvertrag, den Sie mit einem Angehörigen geschlossen haben, steuerlich nicht anerkennt, wird der Betriebsausgabenabzug komplett gestrichen. Das heißt: Sie dürfen Lohn, Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag, Sozialversicherungsbeiträge usw. nicht mehr als Betriebsausgabe. Das alles gilt nun als Privatentnahme, die Ihren Gewinn nicht mindern darf.

Lohn- und Kirchensteuer können Sie vom Finanzamt zurückfordern, solange keine Verjährung eingetreten ist – immerhin ein kleiner Trost.

Wird das Arbeitsverhältnis gleichzeitig auch sozialversicherungsrechtlich nicht anerkannt, müssen Sie einen Antrag auf Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge stellen. Oft werden die Beiträge aber nur zum Teil oder gar nicht erstattet. Auseinandersetzungen vor Gericht sind eher Regel als Ausnahme - alles in allem also viel Ärger und hoher finanzieller Aufwand!

Wird das Arbeitsverhältnis zwar sozialversicherungsrechtlich, aber nicht steuerlich anerkannt, dürfen Sie den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung nicht als Betriebsausgabe abziehen. Diese Beträge können Sie dann nur bei der Steuererklärung als Vorsorgeaufwendungen geltend machen.

Bei der Beschäftigung eines Angehörigen als freier Mitarbeiter, der Rechnungen mit Umsatzsteuer schreibt, kann auch das teuer werden: Wird das freie Mitarbeitsverhältnis eines Familienmitglieds steuerlich aberkannt, geht der Ausgabenabzug inklusive Umsatzsteuer verloren. Sie dürfen also weder die gezahlten Honorare noch die Umsatzsteuer als Betriebsausgaben abziehen. Erstatte Vorsteuerbeträge bleiben aber Betriebseinnahmen (BFH-Urteil vom 12.11.2014, X R 39/13 ).

Aberkennung vermeiden

In den meisten Fällen werden Arbeitsverträge mit Angehörigen aberkannt, weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht glaubhaft machen konnten, ob überhaupt oder in welchem zeitlichen Umfang tatsächlich die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung erbracht wurde. Ebenfalls gefährlich: Die pünktliche, regelmäßige Auszahlung des Gehalts kann nicht nachgewiesen werden.

Wenn Sie möchten, dass das Arbeitsverhältnis insgesamt anerkannt wird, müssen Sie

  • einen wasserdichten Arbeitsvertrag abschließen und wie vereinbart durchführen,

  • Ihren Pflichten als Arbeitgeber nachkommen, also anfallende Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitslohn einbehalten sowie an die zuständige Stelle abführen, Lohnkonto, Lohnsteuerbescheinigung und Lohnsteueranmeldung erstellen und erforderliche Meldungen an die Sozialversicherung erstatten.

Weitere News zum Thema

  • Tomatis-Therapie nur mit Umsatzsteuer

    [] Die Umsätze aus therapeutischen Maßnahmen für Hör- und Wahrnehmungsstörungen nach der Tomatis-Methode sind nicht als ähnliche heilberufliche Tätigkeit gemäß § 4 Nr. 14 UStG umsatzsteuerfrei. mehr

  • Gewährung des Vorsteuerabzugs aus Billigkeitsgründen

    [] Vorsteuerabzug im Billigkeitsverfahren setzt voraus, dass der Unternehmer gutgläubig war und alle Maßnahmen ergriffen hat, die vernünftigerweise von ihm verlangt werden können, um sich von der Richtigkeit der Angaben in der Rechnung zu überzeugen und seine Beteiligung an einem Betrug ausgeschlossen ist. mehr

  • Gebärdensprache: Umsatzsteuerfrei dolmetschen

    [] Wenn Sie gehörlosen Menschen durch Ihre Tätigkeit als Gebärdendolmetscher das Leben erleichtern, kann diese Leistung als Betreuungs- oder Pflegeleistung an hilfsbedürftige Personen umsatzsteuerfrei sein. mehr

  • Vorsteuerabzug: Ist Ihre Eingangsrechnung korrekt?

    [] Als Selbstständiger müssen Sie mehrere Bedingungen erfüllen, um Vorsteuer geltend machen zu dürfen. Den meisten Streit gibt es dabei über vermeintlich oder tatsächlich nicht ordnungsgemäße Rechnungen. mehr

  • GmbH-Gründer: Tücken beim Vorsteuerabzug

    [] Der BFH begrenzt den Vorsteuerabzug für Unternehmensgründer und entscheidet: Der Gesellschafter einer erst noch zu gründenden GmbH ist im Hinblick auf eine beabsichtigte Unternehmenstätigkeit der GmbH grundsätzlich nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Was bedeutet das? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.