Seeling-Modell: Wann muss Zuordnungsentscheidung ans Finanzamt gehen?

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Wer das Seeling-Modell in Anspruch nimmt und bisher noch nicht als Unternehmer tätig ist, braucht die Zuordnungsentscheidung erst in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung dem Finanzamt mitzuteilen.

Das Seeling-Modell ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen den Vorsteuerabzug für die Privatwohnung des Unternehmers in einem neu errichteten gemischt genutzten Gebäude. Von Anfang an war nicht eindeutig klar, wann und wie die dafür erforderliche Zuordnungsentscheidung dem Finanzamt bekanntgegeben werden muss. Häufig verlangt der Fiskus, dass der Vorsteuerabzug zeitnah bereits während der Bauphase in den Umsatzsteuer-Voranmeldungen geltend gemacht wird. Die Angabe erst in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung sei zu spät, der vollständige Vorsteuerabzug damit nicht mehr möglich.

So erging es einem bisher nicht selbstständig tätigen Steuerpflichtigen, der von 2004 bis 2007 ein Gebäude errichtete, das er teilweise als eigene Wohnung und teilweise für die geplante selbstständige Tätigkeit als Buchhaltungsservice nutzen wollte. Aus dieser Tätigkeit wurden erstmals im April 2005 Umsätze erzielt. Im Juni 2005 gab er nachträglich Umsatzsteuer-Voranmeldungen für 2004 ab, in denen er den Vorsteuerabzug aus den Baukosten geltend machte. Im Oktober 2005 gab er entsprechend den Voranmeldungen die Umsatzsteuer-Jahreserklärung für 2004 ab. Zu spät, meinte das Finanzamt und lehnte die Vorsteuererstattung ab.

Das Finanzgericht sah es anders und entschied zu Gunsten des Bauherrn. Nach Ansicht der Richter war die Entscheidung, das gesamte Gebäude dem Unternehmensvermögen zuzuordnen, bereits zu Beginn der Bauarbeiten nach außen erkennbar deutlich gemacht worden. Das ergab sich aus der Bauplanung. Da vor und während der Errichtung des Gebäudes noch keine Umsätze aus selbstständiger Tätigkeit erzielt wurden, habe auch keine Verpflichtung zur Abgabe monatlicher Voranmeldungen bestanden. Aus diesem Grund genüge es, wenn die Zuordnungsentscheidung dem Finanzamt erst mit der Umsatzsteuer-Jahreserklärung bekanntgegeben werde (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 29.1.2009, Az. 6 K 1340/07, EFG 2009 S. 796).

Steuertipp
Den richtigen Zeitpunkt für die Zuordnungsentscheidung sollten Sie auf keinen Fall versäumen. Denn sonst ist es mit dem Vorsteuerabzug endgültig vorbei. Sind Sie zur Abgabe von Voranmeldungen verpflichtet, müssen Sie den Vorsteuerabzug aus den Baukosten auch bereits zeitnah in Ihrer Voranmeldung geltend machen. Sie vermeiden jedes Risiko, wenn Sie Ihr Finanzamt bereits zu Beginn der Bautätigkeit schriftlich über Ihre Zuordnungsentscheidung informieren. Ist das nicht passiert, müssen Sie bei Zweifeln des Finanzamts die Zuordnung durch andere Beweismittel belegen. Das eine ist also Ihre Zuordnungsentscheidung, die Sie gleich zu Beginn treffen müssen. Das andere ist die Bekanntgabe dieser Zuordnung gegenüber dem Finanzamt. Wer erst nach Fertigstellung des Gebäudes die ersten Umsätze erzielt, kann sich dafür länger Zeit lassen.

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