Seeling-Modell: Wann muss spätestens der Vorsteuerabzug erfolgen?

Seeling-Modell: Wann muss spätestens der Vorsteuerabzug erfolgen?

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Ein selbstständig tätiger Schornsteinfegermeister, der zur Abgabe monatlicher Umsatzsteuer-Voranmeldungen verpflichtet war, errichtete im Jahr 2003 ein Wohn- und Geschäftshaus. 41,50% der Fläche entfiel auf sein Büro, das er in der Bilanz als Betriebsvermögen auswies. Im Übrigen nutzte er das Haus zu eigenen Wohnzwecken.

Der Selbstständige wollte vom Seeling-Modell profitieren. Deshalb ordnete er das gesamte Gebäude seinem Unternehmensvermögen zu und machte den Vorsteuerabzug auch für die anteiligen Baukosten des privat genutzten Wohnteils in Höhe von 132.831 Euro geltend. Die gesamten Vorsteuerbeträge erklärte er jedoch erst in seiner Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2003, die am 20.12.2004 beim Finanzamt einging.

Das Finanzamt folgte seinem Antrag, besteuerte aber nach Ansicht des Unternehmers die private Wohnungsnutzung zu hoch. Aber mit seiner Klage gegen den Steuerbescheid kam er vom Regen in die Traufe. Das Finanzgericht war nämlich der Meinung, er hätte seine Zuordnungsentscheidung durch den Vorsteuerabzug in der erstmöglichen Steuererklärung deutlich machen müssen. Da monatliche Voranmeldungen abzugeben waren, hätte er zeitnah bereits bei Bezug der Bauleistungen die Vorsteuer in seinen Umsatzsteuer-Voranmeldungen 2003 erklären müssen. Diesen Zeitpunkt aber hatte er verpasst. Die Richter lehnten deshalb das Seeling-Modell und damit auch den Vorsteuerabzug für den Wohnteil wegen verspäteter Zurordnungsentscheidung ab (Niedersächsisches FG, Urteil vom 13.8.2009, Az. 16 K 463/07).

Steuertipp

Von den Finanzgerichten gibt es zur Frage der rechtzeitigen Zuordnung in Seeling-Fällen widersprüchliche Entscheidungen. Der Bundesfinanzhof hat bisher eine eindeutige Aussage dazu vermieden, scheint aber den Vorsteuerabzug in der zeitnah abgegebenen Umsatzsteuer-Jahreserklärung noch als rechtzeitig anzusehen. Da gegen das Urteil aus Niedersachsen Revision eingelegt wurde, hoffen wir auf eine baldige Klärung (Az. des BFH: V R 42/09).

Bis dahin kann man Unternehmern, die das Seeling-Modell anwenden wollen, nur raten, den Vorsteuerabzug sofort in den laufenden Voranmeldungen vorzunehmen und damit nicht bis zur Jahreserklärung zu warten. Betroffene Unternehmer, denen das Finanzamt wegen zu später Bekanntgabe der Zuordnungsentscheidung den Vorsteuerabzug streichen will, sollten mit Hinweis auf das anhängige Verfahren Einspruch einlegen.

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