Profi-Pokerspieler ist umsatzsteuerpflichtig

 - 

Die Gewinne eines professionellen Pokerspielers können der Umsatzsteuer unterliegen: Es handle sich um einen Unternehmer, entschied das FG Münster.

Im entschiedenen Fall ging es um einen Angestellten, der bei seinem Arbeitgeber unbezahlten Urlaub genommen hatte, um sich dem Pokerspiel zu widmen. Neun Jahre lang hatte er ausschließlich Einnahmen aus Pokerturnieren, Cash-Games und Internetveranstaltungen.

In einem Internet-Interview erzähle er von seinen Turnier-Teilnahmen und machte so das Finanzamt auf sich aufmerksam. Dieses führte eine Betriebsprüfung durch und schätzte die Umsätze des Pokerspielers auf Grundlage der Bareinzahlungen auf seinem Konto. Der Pokerspieler selbst war dagegen der Ansicht, er sein kein Berufsspieler, sondern habe bloß Spielgewinne erzielt –auf die keine Steuern fällig werden.

Die Finanzrichter jedoch teilten die Meinung des Finanzamts und erklärten, nach den Gesamtumständen sei der Pokerspieler als Unternehmer anzusehen. Hierfür spreche zunächst, dass er über einen längeren Zeitraum in regelmäßigen Abständen an jährlich fünf bis acht Pokerturnieren und darüber hinaus an Cash-Games und Internetveranstaltungen teilgenommen habe. Dabei habe er sich wie ein Profi und nicht wie ein Freizeitspieler verhalten, was sich zum einen an der Unterbeteiligung anderer Spieler zur Erhöhung der Gewinnchancen zeige.

Zum anderen sprächen hierfür auch die Aufgabe der Berufstätigkeit sowie der Umstand, dass er umfangreiche Reisen in Kauf genommen habe. Da er sein Unternehmen vom Inland aus betrieben habe, unterlägen auch die im Ausland erzielten Gewinne der Umsatzsteuer. Da der Pokerspieler seinen Aufzeichnungs- und Erklärungspflichten nicht nachgekommen sei, habe das Finanzamt die Umsätze schätzen dürfen (FG Münster vom 15.7.2014, 15 K 798/11 ).

Weitere News zum Thema

  • Gut für Unternehmer: Rückwirkung von Rechnungsberichtigung

    [] Berichtigt der Unternehmer eine Rechnung für eine von ihm erbrachte Leistung, wirkt dies auf den Zeitpunkt der ursprünglichen Rechnungsausstellung zurück. Mit dieser Entscheidung ändert der BFH seine bisherige Meinung und widerspricht der Finanzverwaltung. Warum das für Unternehmer wichtig ist. mehr

  • Partyservice: Wann gelten 7% Umsatzsteuer?

    [] Wer einen Partyservice betreibt, muss aufpassen. Denn nicht alles, was außer Haus zum Kunden geliefert wird, unterliegt dem ermäßigter Umsatzsteuersatz. Das zeigt ein aktuell veröffentlichter Beschluss des FG Hamburg. mehr

  • Kleine Umsatzsteuerkunde zum Thema Weihnachtsbaum

    [] Heilig Abend naht mit großen Schritten, und vielleicht haben auch Sie bereits einen Weihnachtsbaum gekauft. Wussten Sie, dass auf diesen Kauf – je nach Baum – zwischen Null und 19 Prozent Umsatzsteuer anfallen können? mehr

  • Immer noch strittig: Umsatzsteuer-Vorauszahlung und Zehn-Tage-Regel

    [] Das FG Thüringen entschied, kalendarische Zufälle, die in einzelnen Jahren zu einer Verschiebung der Fälligkeit führen, könnten nicht darüber entscheiden, wann sich eine Zahlung als Betriebsausgabe auswirke. Leider wurde gegen das Urteil Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt. mehr

  • Sportwagen: Zu viel Luxus für vollen Vorsteuerabzug

    [] Für einen als Geschäftswagen genutzten Ferrari gibt es nicht die komplette Vorsteuer zurück. Die Kosten für den Sportwagen berühren die Lebensführung des Steuerpflichtigen oder anderer Personen und sind (anteilig) unangemessen, so das FG Baden-Württemberg. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.