Pflanzenverkauf und gärtnerische Dienstleistung

 - 

Wenn ein Unternehmer gleichzeitig eine für sich mit 7% begünstigte Lieferung und im Zusammenhang damit eine Dienstleistung (16% bzw. 19%) erbringt, ist das umsatzsteuerlich ziemlich kompliziert. Nach Ansicht des BFH muss dann entschieden werden, ob »aus Sicht des Durchschnittsverbrauchers« eine einheitliche Leistung vorliegt, die insgesamt mit dem Regelsteuersatz zu besteuern ist, oder ob es sich um mehrere voneinander unabhängige Einzelleistungen handelt (in diesem Fall wird die Lieferung mit 7% und die Dienstleistung mit 16% bzw. 19% besteuert).

Ein Gärtner betrieb eine Baumschule und erzielte seine Umsätze vor allem aus dem Pflanzenverkauf. Auf Wunsch seiner Kunden übernahm er auch das Anpflanzen. Er ging von zwei getrennten Leistungen aus und besteuerte die Pflanzenlieferung mit 7%, die Pflanzarbeiten mit 16%. Das Finanzamt dagegen nahm eine einheitliche Werklieferung an und unterwarf den Gesamtumsatz der vollen Umsatzsteuer.

Das Finanzgericht gab jedoch dem Gärtner recht: Da die Käufer frei entscheiden, ob sie die gekauften Pflanzen selbst einpflanzen oder ob sie den Gärtner oder einen fremden Dritten mit dem Einpflanzen beauftragen, handle es sich um zwei selbstständig zu beurteilende Leistungen. Deshalb sei die Pflanzenlieferung mit 7% und nicht mit 16% zu besteuern (FG Nürnberg vom 11.4.2006, II 356/2004, EFG 2006 S. 1708).

Steuertipp
Wenn Sie bei einem vergleichbaren Sachverhalt an Privatkunden ohne Vorsteuerabzug liefern, schmälert der volle Steuersatz auf die Gesamtleistung natürlich ganz erheblich Ihren Erlös. Sie sollten in diesem Fall Einspruch einlegen und sich auf die Revision beim BFH beziehen (Az. V B 88/06).

Weitere News zum Thema

  • Umsatzsteuer: Die Fragen machen selbst vor der Wiesn nicht Halt

    [] Für den Steuerrechtler bedeutet Umsatzsteuer vor allem: viele Gerichtsverfahren – und den einen oder anderen Sachverhalt, der ein bisschen Farbe in den Steuer-Alltag bringt. Passend zum heutigen Oktoberfest-Beginn geht es jetzt um die Brezenläufer in den Bierzelten. mehr

  • Gutscheine und Umsatzsteuer: Änderungsvorschläge und Kritik

    [] Mit der Gutschein-Richtlinie des Rats der Europäischen Union wurden spezielle Vorschriften für die mehrwertsteuerliche Behandlung von Gutscheinen in die Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie eingefügt. Das Bundesministerium der Finanzen hat zur Umsetzung der Neuerungen einen ersten Gesetzesvorschlag vorgelegt. mehr

  • Umsatzsteuer: Provisionen einer Kur-Beraterin

    [] Unterliegen Provisionen, die eine Kurberaterin für die Vermittlung von Mutter/Vater-Kind-Kuren von den Kliniken erhält, der Umsatzsteuer? Mit dieser Frage beschäftigte sich das FG Münster. mehr

  • Umsatzsteuerliche Rückabwicklung in sog. Bauträger-Fällen

    [] Ein Bauträger schuldet die Umsatzsteuer aus den von ihm bezogenen Bauleistungen solange, bis er den Steuerbetrag an die leistenden Bauunternehmer bezahlt hat, wenn er rechtsirrig von einer nach § 13b Abs. 5 Satz 2, Abs. 2 Nr. 4 UStG bestehenden Umkehr der Steuerschuldnerschaft ausgegangen ist. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.