Party-Service: Geschirrausgabe führt zu höherer Umsatzsteuer

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Liefert ein Party-Service zubereitete Speisen und stellt gleichzeitig Geschirr zur Verfügung, ist der Umsatz mit 19% zu versteuern. Denn die in die Gesamtleistung eingehenden Dienstleistungselemente sind in diesem Fall prägend und drängen die steuerbegünstigte Lieferung von Lebensmitteln in den Hintergrund.

Die Lieferung von Lebensmitteln wird ermäßigt mit 7% besteuert. Der Steuervorteil kann erhalten bleiben, wenn aus Lebensmitteln verzehrfertige Speisen hergestellt werden. Problematisch wird es aber spätestens dann, wenn zubereitete Speisen nicht nur geliefert, sondern zusätzlich noch weitere Serviceleistungen erbracht werden. Denn die verschiedenen Liefer- und Dienstleistungselemente bilden stets eine einheitliche wirtschaftliche Leistung, lassen sich also nicht in mehrere selbstständige Leistungen aufteilen. Und sobald der Dienstleistungscharakter überwiegt, unterliegt die Gesamtleistung dem Regelsteuersatz von 19%. Wann der kritische Punkt überschritten ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Bei einem Party-Service ist die Grenze zur prägenden Dienstleistung überschritten, wenn der Unternehmer zubereitete Speisen anliefert und dem Kunden Geschirr überlässt, das später wieder abgeholt und gereinigt wird (BFH, Urteil vom 18.12.2008, Az. V R 55/06).

Das Urteil des BFH macht deutlich, wie wichtig es ist, bei dem Verkauf von Lebensmitteln den Umfang begleitender Dienstleistungen auf das unverzichtbare  Maß zu beschränken, wenn der niedrige Steuersatz erhalten bleiben soll. Einem Unternehmer sollte stets bewusst sein: Jede Handlung, die über die bloße Lieferung hinausgeht, verschiebt den Schwerpunkt in Richtung Dienstleistung.

Falls ein Unternehmer einen Umsatzsteuersatz von 7% zu Grunde legt und sich dann später im Rahmen einer Betriebsprüfung ein Steuersatz von 19% als richtig herausstellt, muss der Unternehmer die Differenz von 12% aus eigener Tasche zahlen. Der Versuch, die nachträgliche finanzielle Mehrbelastung durch das Erstellen einer korrigierten Rechnung auf den Kunden abzuwälzen, wird meist scheitern.

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