Musikern und Schauspielern drohen Steuernachzahlungen

 - 

Die Finanzämter dürfen Gleichstellungsbescheinigungen bei der Landeskulturbehörde beantragen. Dadurch kann es zu erheblichen Umsatzsteuerrückzahlungen aufgrund unberechtigten Vorsteuerabzugs kommen.

Die Umsätze bestimmter kultureller Einrichtungen des Bundes, der Länder und der Gemeinden sind von der Umsatzsteuer befreit. Dazu gehören zum Beispiel die Leistungen von Theatern, Orchestern, Chören und Musikensembles. Ebenfalls von der Umsatzsteuer befreit sind die Leistungen gleichartiger privater Einrichtungen, sofern der jeweiligen Einrichtung eine sogenannte Gleichstellungsbescheinigung der zuständigen Landeskulturbehörde vorliegt. Auch ein Solokünstler kann eine gleichartige Einrichtung sein.

Gleichstellungsbescheinigungen führten in der Vergangenheit häufig zum Streit zwischen Finanzämtern und selbstständigen Künstlern. Denn viele Künstler verzichteten darauf, eine solche Bescheinigung beim Finanzamt zu beantragen. Sie unterwarfen ihre Umsätze auf der einen Seite freiwillig dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7% und zogen auf der anderen Seite die ihnen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer ab. Das war häufig ein lukratives Geschäft, denn in den Eingangsrechnungen tauchten überwiegend Leistungen auf, die mit 19% besteuert wurden.

Dieses Steuergestaltungsmodell versuchten einzelne Finanzämter zu unterbinden, indem sie eine Gleichstellungsbescheinigung für den Künstler bei der Landeskulturbehörde beantragten. Sobald die Bescheinigung vorlag, wurde der Vorsteuerabzug untersagt, weil offensichtlich umsatzsteuerfreie Leistungen erbracht wurden. Einige Finanzämter begnügten sich nicht mit dem Vorsteuerabzugsverbot für die Zukunft, sondern beantragten bei der Behörde sogar die Rückdatierung der Bescheinigung und erkannten den Vorsteuerabzug dann rückwirkend ab.

Durch das Jahressteuergesetz 2010 hat der Gesetzgeber einen Schlussstrich unter die Streitigkeiten rund um die Gleichstellungsbescheinigung gezogen. Fest steht nun, dass die Bescheinigung auch vom Finanzamt bei der Landeskulturbehörde beantragt werden kann und als Grundlagenbescheid anzusehen ist (§ 4 Nr. 20 a UStG). Wird die Bescheinigung von der Behörde rückdatiert, dürfen selbst bestandskräftige Umsatzsteuerbescheide rückwirkend geändert werden. Eine nachträgliche Änderung ist allerdings nur bis zum Ablauf der Steuerfestsetzungsfrist zulässig. Die Festsetzungsfrist beträgt in der Regel vier Jahre.

Steuertipp
Die neue Rechtslage bringt Künstler in Zugzwang. Die Strategie, 7% zahlen und 19% abziehen, muss auf den Prüfstand, um hohe Umsatzsteuerforderungen des Finanzamtes zu vermeiden. Der umsatzsteuerliche Status sollte umgehend mit der Landeskulturbehörde geklärt werden. Nur dadurch lassen sich unliebsame Überraschungen vermeiden.

Weitere News zum Thema

  • Umsatzbesteuerung von Jagdgenossenschaften ab 2017

    [] Ab 2017 unterliegt die Verpachtung der Jagd mit dem Regelsteuersatz von 19 % der Umsatzsteuer. Eine Übergangsregelung ermöglicht jedoch die Anwendung des bisherigen Rechts bis Ende 2020, der Antrag hierzu muss bis 31.12.2016 gestellt werden. Darauf weist das LfSt Bayern hin. mehr

  • Umsatzsteuerliche Einordnung einer Online-Partnervermittlung

    [] Mit auf elektronischem Weg erbrachten sonstigen Leistungen i.S. des Umsatzsteuerrechts beim Bereitstellen einer Datenbank (Suchmaschine) im Internet hat sich der BFH beschäftigt. Einfacher ausgedrückt ging es um eine Online-Partnervermittlung. mehr

  • Tomatis-Therapie nur mit Umsatzsteuer

    [] Die Umsätze aus therapeutischen Maßnahmen für Hör- und Wahrnehmungsstörungen nach der Tomatis-Methode sind nicht als ähnliche heilberufliche Tätigkeit gemäß § 4 Nr. 14 UStG umsatzsteuerfrei. mehr

  • Gewährung des Vorsteuerabzugs aus Billigkeitsgründen

    [] Vorsteuerabzug im Billigkeitsverfahren setzt voraus, dass der Unternehmer gutgläubig war und alle Maßnahmen ergriffen hat, die vernünftigerweise von ihm verlangt werden können, um sich von der Richtigkeit der Angaben in der Rechnung zu überzeugen und seine Beteiligung an einem Betrug ausgeschlossen ist. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.