Kleinunternehmergrenze bei Gebrauchtwarenhändlern

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Ab 2010 werden aufgrund einer geänderten Verwaltungsauffassung viele kleine Gebrauchtwarenhändler erstmals umsatzsteuerpflichtig. Denn sie übersteigen jetzt viel schneller als bisher die Kleinunternehmergrenze.

Wer mit Gebrauchtwaren handelt und seine Ware von Privatpersonen kauft, also ohne Vorsteuerabzug, unterliegt der Differenzbesteuerung (§ 25a UStG). Dabei ist Umsatzsteuer nicht wie üblich aus dem Verkaufspreis zu zahlen, sondern nur aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis, der sogenannten Marge.

Viele dieser Händler müssen jedoch überhaupt keine Umsatzsteuer zahlen, da sie mit ihrem Gesamtumsatz unter der Kleinunternehmergrenze von 17.500 Euro liegen. Die Finanzverwaltung hatte nämlich bisher großzügigerweise bei einem Unternehmer mit Differenzbesteuerung nicht den tatsächlich erzielten Umsatz in Höhe der Einnahmen zum Gesamtumsatz gezählt, sondern nur die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis (Abschn. 251 Abs. 1 Satz 4 UStR 2008).

Jetzt aber hat es sich die Finanzverwaltung anders überlegt: Ab 2010 sollen wie bei anderen Unternehmern auch die tatsächlich erzielten Einnahmen als Gesamtumsatz gelten und nicht mehr wie bisher nur die Marge (BMF-Schreiben vom 16.6.2009). Mit dieser neuen Berechnungsmethode werden viele Händler auf einen Vorjahresumsatz von über 17.500 Euro kommen und damit die Kleinunternehmergrenze überschreiten. Sie müssen dann in Zukunft Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen.

Beispiel

Frau Kober betreibt einen kleinen Internet-Shop für gebrauchte Bücher. Sie hat 2008 von Privatpersonen Bücher für 18.000 Euro gekauft und Erlöse von 32.000 Euro erzielt. Die Differenz und damit der maßgebliche Gesamtumsatz beträgt 14.000 Euro. Da dieser Betrag unter der Kleinunternehmergrenze liegt, gilt Frau Kober 2009 als Kleinunternehmerin. Sie muss daher aus ihren Verkäufen keine Umsatzsteuer abführen.

Ab 2010 beträgt bei gleicher Ausgangslage der maßgebliche Gesamtumsatz 32.000 Euro. Damit liegt Frau Kober erstmals über der Kleinunternehmergrenze. Sie muss jetzt Umsatzsteuer aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis ans Finanzamt zahlen. Das ist immerhin ein Betrag von 2.235 Euro (19/119 von 14.000 Euro) - und das bei unverändertem Gewinn.

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