Kein Vorsteuerabzug nach dem Seeling-Modell bei späterem Anbau von Einfamilienhaus an Werkhalle

 - 

Der Vorsteuerabzug aus den Baukosten eines privat genutzten Einfamilienhauses ist nicht möglich, wenn ein Unternehmer das Haus nachträglich an eine bereits bestehende Werkhalle anbaut.

Das Seeling-Modell ermöglicht den Vorsteuerabzug für die Privatwohnung des Unternehmers in einem neu errichteten gemischt genutzten Gebäude. Voraussetzung: die betriebliche Nutzung des Gesamtgebäudes beträgt mindestens zehn Prozent und das gesamte Gebäude wurde dem Unternehmensvermögen zugeordnet.

Die Finanzverwaltung versucht teilweise, eine Zuordnung der Privatwohnung zum Unternehmensvermögen und damit den Vorsteuerabzug zu verhindern. Sie spaltet ein Gebäude mit Anbau oder separater Garage in mehrere Gebäudeteile auf, die dann jeweils getrennt für sich betrachtet werden. Danach ist beispielsweise ein nachträglicher Anbau unabhängig von der Zuordnung des Altgebäudes zu beurteilen (Verfügung der OFD Karlsruhe vom 29.4.2005). Eine höchstrichterliche Rechtsprechung dazu gab es bisher nicht. Doch nun ist diese Sichtweise leider vom Bundesfinanzhof bestätigt worden.

Der Fall: 1998 hatte ein Unternehmer eine Werkhalle für seinen Buchbinderbetrieb neu errichtet. Im Jahr 2003 baute er ein Einfamilienhaus an die Halle an, das er selbst bewohnte. Werkhalle und Haus hatten eine gemeinsame Zwischenwand. Das Wohnhaus stand auf dem Eckfundament der Halle und die Versorgungs- und Entsorgungsleitungen wurden durch die Halle an das Einfamilienhaus herangeführt. Der Unternehmer machte in seiner Umsatzsteuererklärung 2003 den Vorsteuerabzug aus den gesamten Baukosten des Einfamilienhauses geltend. Argument: Durch den Anbau sei ein insgesamt gemischt genutztes Gebäude entstanden, das zu etwa einem Drittel betrieblich genutzt werde und das er rechtzeitig und vollständig dem Unternehmen zugeordnet habe. Alle Voraussetzungen für das Seeling-Modell seien erfüllt.

Doch nach dem Finanzamt und dem Finanzgericht lehnte schließlich auch der Bundesfinanzhof den Antrag des Unternehmers auf Vorsteuererstattung ab (BFH, Urteil vom 23.9.2009, Az. XI R 18/08). Begründung: Die Werkhalle und das Eigenheim stellten trotz der bautechnischen Verbindung zwei unterschiedliche Gebäude dar. Durch den nachträglichen Anbau des Wohnhauses an die Werkhalle entstehe nicht ein einheitliches, das unternehmerische Zuordnungswahlrecht begründendes Investitionsgut.

Das Urteil könnte auch in den Fällen, wo ein Einfamilienhaus mit separaten, betrieblich genutzten Garagen errichtet wird, das endgültige Aus für den Vorsteuerabzug aus den Baukosten des Wohnhauses bedeuten.

Weitere News zum Thema

  • Umsatzbesteuerung von Jagdgenossenschaften ab 2017

    [] Ab 2017 unterliegt die Verpachtung der Jagd mit dem Regelsteuersatz von 19 % der Umsatzsteuer. Eine Übergangsregelung ermöglicht jedoch die Anwendung des bisherigen Rechts bis Ende 2020, der Antrag hierzu muss bis 31.12.2016 gestellt werden. Darauf weist das LfSt Bayern hin. mehr

  • Umsatzsteuerliche Einordnung einer Online-Partnervermittlung

    [] Mit auf elektronischem Weg erbrachten sonstigen Leistungen i.S. des Umsatzsteuerrechts beim Bereitstellen einer Datenbank (Suchmaschine) im Internet hat sich der BFH beschäftigt. Einfacher ausgedrückt ging es um eine Online-Partnervermittlung. mehr

  • Tomatis-Therapie nur mit Umsatzsteuer

    [] Die Umsätze aus therapeutischen Maßnahmen für Hör- und Wahrnehmungsstörungen nach der Tomatis-Methode sind nicht als ähnliche heilberufliche Tätigkeit gemäß § 4 Nr. 14 UStG umsatzsteuerfrei. mehr

  • Gewährung des Vorsteuerabzugs aus Billigkeitsgründen

    [] Vorsteuerabzug im Billigkeitsverfahren setzt voraus, dass der Unternehmer gutgläubig war und alle Maßnahmen ergriffen hat, die vernünftigerweise von ihm verlangt werden können, um sich von der Richtigkeit der Angaben in der Rechnung zu überzeugen und seine Beteiligung an einem Betrug ausgeschlossen ist. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.