Kein Seeling-Modell bei Unternehmern mit steuerfreien Umsätzen

 - 

Das Seeling-Modell ist nicht möglich bei umsatzsteuerfreier Vermietung oder eigenbetrieblicher Nutzung eines Gebäudes für eine umsatzsteuerfreie Tätigkeit. Das hat jetzt der BFH entschieden.

Das Seeling-Modell ermöglicht den Vorsteuerabzug für die Privatwohnung des Unternehmers in einem neu errichteten gemischt genutzten Gebäude. Bisher war nicht eindeutig geklärt, ob dafür steuerpflichtige Umsätze Voraussetzung sind. So hatten auch manche Ärzte gehofft, davon profitieren zu können. Diese Hoffnung hat der BFH mit mehreren Entscheidungen nun endgültig zerschlagen:

  • Eine Ehegatten-Grundstücksgemeinschaft errichtete ein Wohn-Praxis-Gebäude. Sie vermietete die Praxis umsatzsteuerfrei an den als selbstständigen Arzt tätigen Ehemann und beanspruchte den Vorsteuerabzug für die vom Ehepaar genutzte Wohnung. Das wurde abgelehnt (BFH, Urteil vom 8.10.2008, Az. XI R 58/07, DStR 2009 S. 265).
  • Eine selbstständige Psychotherapeutin errichtete ein gemischt genutztes Gebäude. Sie nutzte 25,88% der Fläche für die eigene Praxis (umsatzsteuerfreie Umsätze) und beantragte den Vorsteuerabzug für die Wohnung mit 74,12% der Gesamtfläche. Auch hier lehnte der BFH ab (BFH, Urteil vom 11.3.2009, Az. XI R 69/07, DB 2009 S. 1049).

Damit ist geklärt, dass nur solche Unternehmer das Seeling-Modell in Anspruch nehmen können, die umsatzsteuerpflichtige Leistungen ausführen.

Steuertipp
Eigentlich war geplant, das für den Fiskus teure Seeling-Modell auf EU-Ebene zu stoppen. Durch eine Änderung der Vorschriften sollte erreicht werden, dass nur noch der Vorsteuerabzug aus der unternehmerischen Nutzung eines Gebäudes, aber nicht mehr aus der privaten Wohnungsnutzung möglich ist. Doch dieses Vorhaben kommt offensichtlich nicht in die Gänge. Das Seeling-Modell ist daher immer noch attraktiv für Unternehmer mit umsatzsteuerpflichtigen Umsätzen, die ein gemischt genutztes Gebäude bauen wollen.

Kauftipp

Steuertipps Spezial Nr. 23: Seeling-Modell
Vorsteuerabzug für die Unternehmer-Wohnung

Seit 2004 gibt es das Seeling-Modell. Damit können Sie bei einem gemischt genutzten Gebäude die Vorsteuer aus den Baukosten für Ihre Privatwohnung zurückholen. Durch eine Kehrtwende der Finanzverwaltung ist das Modell wieder deutlich attraktiver geworden.

In dieser neuen Broschüre erfahren Sie alles Wichtige zum Seeling-Modell.

Weitere News zum Thema

  • Immer noch strittig: Umsatzsteuer-Vorauszahlung und Zehn-Tage-Regel

    [] Das FG Thüringen entschied, kalendarische Zufälle, die in einzelnen Jahren zu einer Verschiebung der Fälligkeit führen, könnten nicht darüber entscheiden, wann sich eine Zahlung als Betriebsausgabe auswirke. Leider wurde gegen das Urteil Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt. mehr

  • Sportwagen: Zu viel Luxus für vollen Vorsteuerabzug

    [] Für einen als Geschäftswagen genutzten Ferrari gibt es nicht die komplette Vorsteuer zurück. Die Kosten für den Sportwagen berühren die Lebensführung des Steuerpflichtigen oder anderer Personen und sind (anteilig) unangemessen, so das FG Baden-Württemberg. mehr

  • Umsatzsteuer: Hochzeitsredner und Trauerredner als ausübende Künstler

    [] Laut Umsatzsteuergesetz werden die Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen, sowie die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler mit 7 % ermäßigt besteuert. Doch wo fängt ausübende Kunst an und wann können Sie als Steuerpflichtiger von dem ermäßigten Steuersatz profitieren? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.