Hochzeitsredner und Trauerredner: 19% Umsatzsteuer

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Die Tätigkeit eines Hochzeits- und Trauerredners ist regelmäßig nicht künstlerisch im Sinne des § 12 Absatz 2 Nr. 7a UStG und unterliegt daher der vollen Besteuerung. Das hat das FG Rheinland-Pfalz entschieden.

Der Fall betraf eine freie Theologin, die auf dem Gebiet der Trauerbegleitung sowie als Rednerin auf Hochzeiten und bei Taufen unternehmerisch tätig ist. Sie war davon ausgegangen, dass ihre Umsätze ermäßigt zu besteuern seien und begründete dies damit, dass sie bei den Trauerreden keine Mustertexte verwende, sondern in zeitweise bis zu zwei Stunden dauernden Gesprächen mit den Angehörigen des Verstorbenen dessen Lebensbild erarbeite, um das herum sie eine individuelle Trauerrede abbilde. Den Text erhielten die Angehörigen in einer individuell gestalteten Mappe im Anschluss ausgehändigt. Bei Hochzeiten und Taufen führe sie mit den Brautleuten oder Taufeltern Vorgespräche, um diese kennenzulernen und deren Wünsche bezüglich des Ablaufs zu erfahren. Die Rede werde dann frei gehalten, wobei sie bestrebt sei, in den feierlichen Rahmen auch die Gäste einzubeziehen.

Das FG Rheinland-Pfalz konnte sie damit nicht überzeugen. Die von der Klägerin vorgelegten Texte seien, bezogen auf die jeweiligen Anlässe, jeweils nach dem gleichen Muster aufgebaut und wiesen zum Teil wortwörtliche Übereinstimmungen auf, erklärten die Richter. Die Texte zeugten zwar nicht von der überwiegenden Verwendung von Textbausteinen oder beruhten nicht nur auf formelhaften Wendungen. Sie seien jedoch offensichtlich aus dem Erfahrungsschatz der Klägerin geprägt und einander in Aufbau und Grundstimmung der Rede sowie dem verwendeten Vokabular jeweils ausgesprochen ähnlich. Ein individueller Bezug ergebe sich zwar folgerichtig aus den jeweiligen Informationen der Klägerin über den Verstorbenen, das Brautpaar oder die Taufeltern. Eine künstlerische Gestaltung mit einer bestimmten Gestaltungshöhe, wie für § 12 Absatz 2 Nr. 7a UStG erforderlich, ergebe sich daraus aber noch nicht.

Wann liegt eine künstlerische Betätigung vor?

Das Wesen künstlerischer Betätigung, so die Richter, liege in der freien schöpferischen Gestaltung, in der Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse des Künstlers durch das Medium einer bestimmten Formensprache zu unmittelbarer Anschauung gebracht werden. Alle künstlerische Tätigkeit sei ein Ineinander von bewussten und unbewussten Vorgängen, die rational nicht aufzulösen sind. Beim künstlerischen Schaffen wirkten Intuition, Phantasie und Kunstverstand zusammen; es sei primär nicht Mitteilung, sondern Ausdruck, und zwar unmittelbarster Ausdruck der individuellen Persönlichkeit des Künstlers. Habe sich der Steuerpflichtige hingegen an ins einzelne gehende Angaben und Weisungen seines Auftraggebers zu halten und bleibe ihm infolgedessen kein oder kein genügender Spielraum für eine eigenschöpferische Leistung, so sei eine künstlerische Tätigkeit ausgeschlossen.

Warum lag hier keine künstlerische Betätigung vor?

Nach Auffassung der Richter fehlte es bei den Manuskripten der Klägerin an einer Gestaltungshöhe, welche für die Annahme eines Kunstwerks zwingend erforderlich sei. Auch konnte sich das Gericht nach eigener Aussage bei Durchsicht der vorgelegten Manuskripte nicht die Auffassung bilden, dass sich diese Redemanuskripte aus der Masse der zu solchen Anlässen gehaltenen Reden besonders herausheben. Hinzu kam, dass die Klägerin über die Inhalte ihrer Redemanuskripte beziehungsweise Texte nicht frei entscheiden konnte: Es blieb nur die Gestaltung der von ihr verwerteten und von den Angehörigen mitgeteilten Informationen über den Verstorbenen, das Brautpaar oder die Taufeltern.

Fazit der Richter: Auch eine sehr gelungene, jedenfalls aber anlassbezogene Rede kann nicht als Kunstwerk angesehen werden. Sie ist vielmehr mit den Texten eines Werbetexters oder den Grafiken eines Gebrauchsgrafikers zu vergleichen, welche ebenfalls nicht als Kunstwerke angesehen wird (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 26.09.2017, Az. 3 K 1461/16).

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