Finanzverwaltung nimmt »private« eBay-Verkäufer ins Visier

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Auf der Internetplattform eBay tummeln sich weitaus mehr private als gewerbliche Verkäufer – so jedenfalls der Eindruck, wenn den Anbieterprofilen Glauben geschenkt wird. Die Finanzämter schauen aber gerne etwas genauer hin und unterstellen dann manch einer Privatperson eine umsatzsteuerpflichtige Verkaufstätigkeit.

Verfestigt sich aufgrund des Umfangs der getätigten Verkäufe bei einem Finanzamt der Eindruck, dass ein Verkäufer nicht mehr privat, sondern unternehmerisch tätig ist, flattert schnell der eine oder andere Umsatzsteuerbescheid ins Haus. Dagegen kann sich der Betroffene natürlich wehren, notfalls auch durch eine Klage vor dem Finanzgericht.

Dass eine solche Klage aber gut überlegt sein will, zeigt ein Urteil des BFH: Ein Ehepaar hatte jahrelang Gegenstände über eBay verkauft, die über 30 verschiedenen Produktgruppen zugeordnet wurden. Die Einnahmen betrugen pro Jahr mehr als 20.000,00 €. Nach Meinung des Finanzamtes sprachen insbesondere die Dauer und der Umfang der Verkaufstätigkeit für eine umsatzsteuerpflichtige unternehmerische Tätigkeit.

Diese Vermutung versuchten die Verkäufer zu widerlegen, und zwar unter anderem durch den Hinweis auf ein vor vielen Jahren ergangenes BFH-Urteil, wonach die Auflösung einer privaten Sammlung zu keiner Umsatzsteuerschuld führen kann. Allerdings hinkte der von den Verkäufern herangezogene Vergleich, da im Streitfall nicht die Auflösung einer Sammlung, sondern der Verkauf sehr unterschiedlicher Produkte stattfand.

Aufgrund der objektiven Merkmale (Intensität und Dauer des Tätigwerdens, planmäßiges Handeln, Höhe der Einnahmen und Zahl der Umsätze) stufte der BFH die Verkaufstätigkeit auf eBay letztlich als nachhaltige und damit umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit ein. Da die jährlichen Einnahmen die Kleinunternehmergrenze von 17.500,00 € überschritten, wurden für mehrere Jahre Umsatzsteuer-Nachzahlungen festgesetzt (BFH-Urteil vom 26.4.2012, V R 2/11, DStR 2012 S. 965).

Für Verkäufer ist es leider nicht einfach festzustellen, wann die Grenze zur unternehmerischen Tätigkeit überschritten ist. Entscheidend ist stets das Gesamtbild der Verhältnisse. Auf jeden Fall im Blick haben sollten Verkäufer die Kleinunternehmer-Grenze von 17.500,00 €. Wird diese nämlich überschritten, spricht viel für eine unternehmerische Tätigkeit. Es droht dann die nachträgliche Festsetzung von Umsatzsteuer.

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