Auch eine "Geistheilerin" muss Umsatzsteuer abführen

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Was macht eine Geistheilerin? Jedenfalls erbringt sie keine Heilbehandlungen, findet das FG Baden-Württemberg. Deshalb sind Seminare, die sie anbieten, umsatzsteuerpflichtig.

Der Fall betraf eine Geistheilerin mit Wohnsitz in der Schweiz, die in Deutschland Seminare zu esoterischen Praktiken anbietet. Diese Umsätze erklärte sie in Deutschland zwar nicht – das Finanzamt wurde jedoch von einem Dritten, wie es im Urteil heißt, über die Seminartätigkeiten informiert.

Das Finanzamt hakte bei der Heilerin nach, die ihrerseits erklärte, sie erziele steuerfreie Umsätze. Ihre Tätigkeit sei mit der eines Heilpraktikers vergleichbar, im Vordergrund stehe die Heilbehandlung. Zu ihrer beruflichen Qualifikation führte sie aus, sie sei eine anerkannte Heilerin und biete im Wesentlichen Ausbildungsseminare an, eine mentale Rückenbegradigung, ein Aufrichten der Wirbelsäule, spirituelle Therapien, Reiki- und Lichtgrad-Einweihungen. Sie nehme im Wesentlichen ein Besprechen im Sinne von Heilgebeten, ein Clearing sowie ein Handauflegen vor.

Ihr Entgelt orientiere sich an den Kosten des Seminarraums, ihren Reise- und Übernachtungskosten sowie der Pausenverpflegung der Teilnehmer.

Nach diesen Erläuterungen setzte das Finanzamt Umsatzsteuer fest, wogegen sich die Heilerin wehrte.

Allerdings war auch das Finanzgericht der Auffassung, dass die Leistungen hier steuerbar und steuerpflichtig seien. Heilbehandlungen im Sinne des Umsatzsteuerrechts lägen nicht vor, erklärten die Richter des FG Baden-Württemberg, denn diese erforderten die Erbringung von Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin durch ärztliche oder arztähnliche Leistungen durch jemanden, der die dafür erforderliche Qualifikation besitzt.

Die allerdings fehlt bei der Heilerin – schließlich hatte sie selbst angegeben, dass ihre Fähigkeit zum Heilen auf Talent beruhe und nicht auf einer Ausbildung im eigentlichen Sinne. Hinzu kam, dass sie weder einen therapeutischen Zweck ihrer Leistungen darlegen konnte noch Diagnosen erstellt oder Krankheiten therapiert hatte. Auch das gehört aber zu den Voraussetzungen von umsatzsteuerfreien Heilbehandlungen

Fazit der Richter: Hier geht es nicht um Heilkunde, sondern um spirituelles Wirken. Das wird im Umsatzsteuerrecht nicht begünstigt (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 06.07.2016, Az. 14 K 1338/15).

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