Wie viele Betriebsstätten hat ein selbstständiger Dozent?

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Unterrichtet ein Dozent regelmäßig an verschiedenen Orten, so kann er nach Auffassung des Finanzgerichts Baden-Württemberg seine Fahrtkosten in voller Höhe als Betriebsausgaben geltend machen.

Große Bedeutung könnte ein aktuelles erfreuliches Urteil für freiberufliche Dozenten haben, die nicht nur an einer Stelle unterrichten. Dabei ging es um einen selbstständigen Personalberater, der sein Büro im privaten Wohnhaus hatte und außerdem als Dozent an verschiedenen Bildungseinrichtungen in vier verschiedenen Städten tätig war. Er machte seine Fahrtkosten in voller Höhe als Betriebsausgaben geltend. Nach einer Betriebsprüfung wurde dieser Posten gestrichen. Es handle sich um Fahrten zwischen Wohnung und mehreren regelmäßigen Betriebsstätten, die nur in Höhe der Entfernungspauschale abziehbar seien.

Auch Selbstständige können nur noch eine regelmäßige Arbeits- bzw. Betriebsstätte haben

Vor dem Finanzgericht hatte er mit seiner Klage Erfolg (FG Baden-Württemberg vom 27.10.2011, 3 K 1849/09 ; Az. der Revision VIII R 47/11). Die Richter betonten, dass zwar nach der früheren BFH-Rechtsprechung alle vier Bildungseinrichtungen als regelmäßige Betriebsstätte anzusehen seien, was die Beschränkung der Fahrtkosten auf die Entfernungspauschale zur Folge habe. Diese Rechtsprechung könne jedoch angesichts aktueller Entscheidungen des BFH zur regelmäßigen Arbeitsstätte von Arbeitnehmern nicht mehr aufrechterhalten werden. Denn wenn ein Arbeitnehmer nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte haben könne, so könne aus Gründen des Gleichheitsgebots auch ein Selbstständiger nur noch eine regelmäßige Betriebsstätte haben. Und das sei der Ort, an dem sich der ortsgebundene Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit befinde, im entschiedenen Fall also das häusliche Büro. Konsequenz: Der Dozent durfte seine Fahrtkosten ohne Begrenzung in voller Höhe geltend machen.

Liegt auch bei Ihnen eine ähnliche Konstellation vor und lehnt Ihr Finanzamt den Abzug als Reisekosten ab? Dann sollten Sie Einspruch einlegen und auf das anhängige Verfahren beim BFH verweisen (Az. des BFH: VIII R 47/11). Mit dem Inkrafttreten eines neuen Reisekostenrechts ab 2014 werden dann wohl die Karten neu gemischt.

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