Was ändert sich für Arbeitgeber ab 2013 bei bestehenden 400 €-Jobs?

 - 

Seit Anfang dieses Jahres können Minijobber monatlich bis zu 450 € (bisher 400 €) verdienen. Was bedeutet diese Rechtsänderung für die knapp 7 Millionen zum Jahreswechsel 2012/13 bereits bestehenden Minijobs?

Wenn in Ihrem Unternehmen bereits vor dem Jahreswechsel 2012/13 Minijobber eingestellt waren, ändert sich für Sie als Arbeitgeber bei den bestehenden Minijobs in vielen Fällen gar nichts. Das Verfahren bleibt nämlich grundsätzlich unverändert. Sie geben für die Minijobber nach wie vor Meldungen bei der Minijob-Zentrale ab, übermitteln dieser einen Beitragsnachweis und zahlen die monatlichen Beiträge, am besten per Lastschrift. Die Minijob-Zentrale zieht dann bei Ihnen die Pauschalabgaben ein. Detaillierte Hinweise zur Auswirkung des neuen Rechts auf bereits bestehende Minijobs finden sich in Abschnitt 2.2.3 der neuen Geringfügigkeitsrichtlinien.

Minijobs im gewerblichen Bereich: Pauschalabgaben des Arbeitgebers ab 2013

Krankenversicherung

13,00 %

Rentenversicherung

15,00 %

Pauschalsteuer

2,00 %

Umlage 1 bei Krankheit

0,70 %

Umlage 2 bei Schwangerschaft/Mutterschaft

0,14 %

Insolvenzgeldumlage

0,15 %

Gesamtabgaben

30,99 %

Hinzu kommt noch der je nach Branche unterschiedlich hohe Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung.

Die pauschalen Beiträge bleiben bis auf die Insolvenzgeldumlage 2013 unverändert. Diese wurde von bisher 0,04 % auf jetzt 0,15 % erhöht. Soweit ein Minijobber bisher auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichtet hat und damit versicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung war, gilt dies weiterhin. Ansonsten bleibt es in der Regel bei der Rentenversicherungsfreiheit der Minijobs – außer in den beiden folgenden Fällen:

Fall 1: Sie erhöhen den Monatslohn auf über 400 € (maximal 450 €)

Vor allem bei der Beschäftigung von Familienangehörigen werden so manche Arbeitgeber die Erhöhung der Geringfügigkeitsgrenze auf 450 € nutzen wollen, um auch den seit 2003 auf 400 € eingefrorenen Lohn ihres Minijobbers zu erhöhen, maximal auf 450 €. Verpflichtet dazu sind Sie natürlich nicht.

Vorsicht! Wenn Sie den Arbeitslohn über die seitherige Geringfügigkeitsgrenze von 400 € hinaus erhöhen, gilt für diesen Minijob ab 2013 das neue Recht. Damit ändert sich für Sie manches. Vor allem wird Ihr Minijobber, wenn nichts anderes beantragt wird, automatisch rentenversicherungspflichtig. In diesem Fall werden die vollen Rentenversicherungsbeiträge von 18,9 % für Ihren Minijobber von Ihrem Konto abgebucht. Die Differenz zum pauschalen RV-Beitrag von 15 %, also 3,9 % des Bruttolohns, ziehen sie dem Minijobber vom Lohn ab.

Auf diese allein infolge der Lohnerhöhung neu eingetretene Rentenversicherungspflicht kann der Minijobber allerdings ausdrücklich verzichten, indem er seinem Arbeitgeber eine schriftliche Erklärung dazu abgibt. Hierzu sollte ein Vordruck der Minijob-Zentrale genutzt werden. Nur dann bleibt es für den Arbeitgeber bei den üblichen Abzügen in Höhe von 30,99 Prozent und für den Arbeitnehmer beim ungekürzten Arbeitslohn.

Fall 2: Ihr Minijobber verzichtet von sich aus auf die Rentenversicherungsfreiheit seines Minijobs und wird damit rentenversicherungspflichtig

Wer bereits 2012 als Minijobber rentenversicherungsfrei beschäftigt war, kann nun bei unverändertem Arbeitslohn auf die Versicherungsfreiheit dieses Jobs in der Rentenversicherung verzichten. Dies muss der Jobber seinem Arbeitgeber gegenüber schriftlich erklären. Er erhält dann in der Rentenversicherung denselben Status wie bei Neuabschluss eines Minijobs ab 2013.

Damit verpflichtet sich der Arbeitnehmer, den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent, den Sie als Arbeitgeber monatlich zahlen, auf den vollen Rentenversicherungsbeitrag von 18,9 Prozent aufzustocken. Der Abgabensatz, den die Minijob-Zentrale vom Arbeitgeberkonto abbucht, erhöht sich damit um 3,9 Prozentpunkte. Als Arbeitgeber bleiben Sie allerdings auf diesem Unterschiedsbetrag nicht sitzen. Sie ziehen ihn nämlich vom Bruttolohn des Minijobbers ab, der somit einen etwas niedrigeren Nettolohn erhält.

Formaler Ablauf

Die Vordrucke zur Wahl bzw. Abwahl der Rentenversicherungspflicht werden nicht an die Minijob-Zentrale geschickt. Als Arbeitgeber müssen Sie den bei Ihnen eingehenden Antrag mit einem Datumsstempel versehen. Den Antrag nehmen Sie zu Ihren Lohnunterlagen. Er wird nicht an die Minijob-Zentrale geschickt. Sie müssen ihn aber gegebenenfalls später bei einer Betriebsprüfung vorlegen.

Die vom Arbeitnehmer beantragte Wahl bzw. Abwahl der Rentenversicherungspflicht wird ab Beginn des Antragmonats wirksam. Liegt Ihnen also der Antrag des Arbeitnehmers am 31. Januar vor, so wird er noch im Januar wirksam. Sie müssen die Wahl des Minijobbers innerhalb von sechs Wochen der Minijob-Zentrale übermitteln. In den meisten Fällen wird dies elektronisch geschehen. Sie können die Meldungen aber auch per Papierbeleg übermitteln.

Achtung bei Mehrfachbeschäftigungen

Die Rentenversicherungspflicht kann auch eintreten, wenn Ihr Jobber noch einen zweiten oder dritten Minijob hat und die Einkünfte insgesamt die (alte) 400-Euro-Grenze übersteigen. Deshalb sollten Sie Ihre(n) Minijobber regelmäßig fragen, ob sie weitere geringfügige Beschäftigungsverhältnisse haben. Lassen Sie sich dies sicherheitshalber per Unterschrift bestätigen - etwa wie folgt: Ich erkläre hiermit, dass ich in Minijobs insgesamt nicht mehr als 400 € im Monat verdiene. Hierdurch vermeiden Sie es, dass Sie für Rentenversicherungsbeiträge haftbar gemacht werden, die aufgrund einer eingetretenen, aber nicht gemeldeten Versicherungspflicht fällig waren.

Tipp: Sinnvoll ist es für Sie als Arbeitgeber in jedem Fall, wenn Sie Minijobbern, die Sie neu einstellen möchten, den von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände entwickelten Personalfragebogen vorlegen.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.