Wann wird ein Übersetzer gewerblich tätig?

 - 

Die Frage nach der Abgrenzung von freiberuflichen und gewerblichen Einkünften führt oft zu Streit. Der BFH beschäftigte sich mit dem Fall eines eigentlich freiberuflichen Übersetzers, der hier leider in die Gewerblichkeit rutschte.

Konkret entschied der BFH: Eine Personengesellschaft, die ihren Kunden im Rahmen einheitlicher Aufträge regelmäßig und in nicht unerheblichem Umfang Übersetzungen auch in Sprachen, die ihre Gesellschafter nicht selbst beherrschen, liefert, ist gewerblich tätig.

Das Problem war also konkret, dass hier Übersetzungsleistungen zugekauft wurden.

Geklagt hatte eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die auf technische Übersetzungen spezialisiert ist und technische Handbücher, Bedienungsanleitungen und ähnliche Dokumentationen für ihre Kunden erstellt. Die Übersetzungen erfolgten dabei regelmäßig auch in erheblichem Umfang in solche Sprachen, die die Gesellschafter selbst nicht beherrschten. Hierfür schaltete GbR Fremdübersetzer ein und nutzte, weil sie Textteile wiederverwenden konnte, ein sogenanntes Translation Memory System, also ein System zur rechnergestützten Übersetzung und Speicherung von Texten.

Die GbR betrachtete ihre Tätigkeit als freiberuflich, das Finanzamt dagegen war der Meinung, sie sei gewerblich tätig und erließ entsprechend Gewerbesteuermessbescheide.

Der BFH hat die Auffassung des Finanzamts bestätigt und betont, eine freiberufliche Übersetzertätigkeit einer Personengesellschaft sei nur anzunehmen, wenn deren Gesellschafter aufgrund eigener Sprachkenntnisse in der Lage seien, die beauftragte Übersetzungsleistung entweder selbst zu erbringen oder aber im Rahmen einer gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG zulässigen Mitarbeit fachlich vorgebildeter Personen leitend und eigenverantwortlich tätig zu werden.

Beherrschten die Gesellschafter hingegen die beauftragten Sprachen nicht selbst, könne die Gesellschaft nicht freiberuflich tätig sein. Ein Defizit im Bereich eigener Sprachkompetenz könne grundsätzlich weder durch den Einsatz eines Translation Memory Systems noch durch die Unterstützung und sorgfältige Auswahl eingesetzter Fremdübersetzer ausgeglichen werden, da die Richtigkeit der Übersetzungen nicht überprüft werden könne (BFH-Urteil vom 21.2.2017, Az. VIII R 45/13).

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.