Verkäufe über die eBay: Steuerfreies Hobby oder Gewerbe?

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Handelt eine Person über Jahre in erheblichem Umfang auf eBay mit Gebrauchsgegenständen, die zum Beispiel aus Entrümpelungen und Haushaltsauflösungen stammen, ist die Tätigkeit grundsätzlich als gewerblich einzustufen. Die erzielten Verkaufserlöse sind somit steuerpflichtig.

Das geht aus einem aktuellen Urteil des FG Hessen hervor (Urteil vom 19.7.2019, Az. 2 K 1835/16), in dem es um folgenden Sachverhalt ging:

Eine Sammlerin kaufte im Zeitraum 2009 bis 2013 diverse Gegenstände bei Haushaltsauflösungen und veräußerte diese dann über eBay. Sämtliche Auktionen begannen mit dem Startpreis 1 Euro. Für Ihre Verkäufe hatte die Sammlerin vier eBay-Accounts und zwei Bankkonten eingerichtet. Die rege Verkaufstätigkeit fiel dem Finanzamt auf. Es kam zu einer Steuerprüfung, die zu folgenden Ergebnissen führte:

  • Einnahmen 2009: 40.000 Euro (577 Auktionen);

  • Einnahmen 2010: 70.000 Euro (1057 Auktionen);

  • Einnahmen 2011: 90.000 Euro (628 Auktionen);

  • Einnahmen 2012: 90.000 Euro (554 Auktionen);

  • Einnahmen 2013: 80.000 Euro (260 Auktionen).

Insgesamt wurden damit in 3.076 Auktionen rund 370.000 Euro erwirtschaftet. Aufgrund des Verkaufsumfangs ging das Finanzamt von einer nachhaltigen Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht aus und unterstellte daher gewerbliche Einkünfte. Es erließ daraufhin Einkommen- und Umsatzsteuerbescheide sowie Bescheide über Gewerbesteuermessbeträge. Da die eBay-Verkäuferin keine Gewinnermittlungen vorlegen konnte, schätzte das Finanzamt die Betriebsausgaben auf 30 % der Betriebseinnahmen. Die Sammlerin setzte sich mit einer Klage gegen die Feststellungen des Finanzamtes zur Wehr. Die Klage blieb aber erstinstanzlich erfolglos.

Wann handelt es sich (noch) um ein Hobby?

Das Gericht setzte sich mit der Frage auseinander, ob die Verkaufstätigkeit der Sammlerin noch als private Vermögensverwaltung/Hobby angesehen werden konnte. Kriterien sind hier insbesondere die Dauer und die Intensität der Tätigkeit, die Höhe der Entgelte, die Beteiligung am Markt, die Zahl der ausgeführten Umsätze, das planmäßige Tätigwerden und die Vielfalt des Warenangebots.

Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte war die Klägerin nach Meinung des Gerichts nachhaltig tätig. Sie trat am Markt wie eine gewerbliche Händlerin auf und hatte die Absicht, Gewinn zu erzielen. Als unerheblich sah das Gericht die Tatsache an, dass die eBay-Verkäuferin kein Ladenlokal unterhielt, sondern ausschließlich im Internet aktiv war.

Anders als das Finanzamt ging das Gericht allerdings nicht nur von einem Ausgabenanteil in Höhe von 30%, sondern sogar in Höhe von 60% aus, weil noch weitere Betriebsausgaben zu berücksichtigen waren.

Die im Rechtsstreit unterlegene eBay-Verkäuferin hat Revision gegen das FG-Urteil vor dem BFH eingelegt (X R 26/18). Dadurch hat der BFH nun die Chance, noch etwas mehr Ordnung in das Thema steuerliche Behandlung von eBay-Verkäufen zu bringen und dazu Stellung zu nehmen, wie bei einem vermeintlichen Hobby die Gewerblichkeit zu prüfen ist.

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