Übersetzungsbüro gewerblich durch Fremdübersetzungen

 - 

Ein als GbR geführtes Übersetzungsbüro hatte jahrelang unbeanstandet freiberufliche Einkünfte erklärt. Doch dann sollte das Unternehmen plötzlich Gewerbesteuer zahlen. Die Klage der GbR gegen den Gewerbesteuer-Messbescheid wurde vom Finanzgericht jedoch abgewiesen. Das letzte Wort hat jetzt der BFH.

Sachverhalt: Spezialgebiet der GbR waren Übersetzungen im Maschinenbaubereich. Die Gesellschafter deckten die Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch ab. Als die Kunden zunehmend auch Übersetzungen in anderen Sprachen nachfragten, setzte die GbR Fremdübersetzer ein. Die Subunternehmer fertigten für die GbR Übersetzungen in Türkisch, Arabisch, Schwedisch, Russisch und weiteren Sprachen an. Fremdübersetzungen machten schließlich bis zu einem Viertel des Gesamtumsatzes aus.

Knackpunkt waren fehlende eigene Sprachkenntnisse: Eine freiberufliche Tätigkeit liegt unter anderem nur vor, wenn der Unternehmer leitend und eigenverantwortlich tätig ist. Die Gesellschafter konnten aber die Fremdübersetzungen nicht fachlich überprüfen, da sie die Sprachen nicht selbst beherrschten.

Sonderfall GbR: Bei einem Einzelunternehmer hätte man einfach die Einkünfte, soweit sie auf Fremdübersetzungen entfielen, als gewerblich eingestuft. Bei einer GbR aber, die zum Teil gewerblich tätig ist, werden die Einkünfte insgesamt zu gewerblichen Einkünften umqualifiziert. Nur bei einer ganz geringfügigen gewerblichen Tätigkeit kommt es zu keiner Umqualifizierung. Angesichts der umfangreichen Fremdübersetzungen war die vom BFH angewendete Bagatellgrenze von 1,25 % des Umsatzes aber weit überschritten.

Kein Bestandsschutz bei falscher Beurteilung: Das Finanzamt hatte zwar jahrelang die Einkünfte der GbR als freiberuflich behandelt und damit falsch eingestuft. Ein Vertrauenstatbestand wurde dadurch nach Ansicht der Richter jedoch nicht geschaffen (FG Köln vom 24.10.2012, 15 K 4041/10 ; Az. der Revision VIII R 45/13).

Wenn auch bei Ihnen die sogenannte Abfärberegelung droht, haben Sie nur eine Möglichkeit, sich gegen unliebsame Überraschungen abzusichern: Gliedern Sie die gewerbliche Tätigkeit in eine personenidentische zweite Gesellschaft aus. Dadurch wird das Abfärben der gewerblichen Einkünfte auf die freiberuflichen Einkünfte vermieden. Dieses Ausgliederungsmodell ist von der Rechtsprechung wiederholt für zulässig erklärt worden.

Weitere News zum Thema

  • 1%-Methode und Listenpreis bei Taxis

    [] Mit der Ermittlung des Listenpreises von Taxis bei der 1 %-Regelung beschäftigte sich das FG Düsseldorf: Im zu entscheidenden Fall gab es unterschiedliche Listen für Taxis und "normale" Fahrzeuge. mehr

  • Umsatzbesteuerung von Jagdgenossenschaften ab 2017

    [] Ab 2017 unterliegt die Verpachtung der Jagd mit dem Regelsteuersatz von 19 % der Umsatzsteuer. Eine Übergangsregelung ermöglicht jedoch die Anwendung des bisherigen Rechts bis Ende 2020, der Antrag hierzu muss bis 31.12.2016 gestellt werden. Darauf weist das LfSt Bayern hin. mehr

  • Investieren soll steuerlich interessanter werden

    [] Die Bundesregierung will die Rahmenbedingungen für die Kapitalausstattung und das weitere Wachstum von Unternehmen verbessern und hat dazu den Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der steuerlichen Verlustverrechnung bei Körperschaften beschlossen. mehr

  • Umsatzsteuerliche Einordnung einer Online-Partnervermittlung

    [] Mit auf elektronischem Weg erbrachten sonstigen Leistungen i.S. des Umsatzsteuerrechts beim Bereitstellen einer Datenbank (Suchmaschine) im Internet hat sich der BFH beschäftigt. Einfacher ausgedrückt ging es um eine Online-Partnervermittlung. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.