Sparsame Weihnachten: Wenn der Chef zu kreativ schenkt, spielt das Finanzamt den Knecht Ruprecht

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Weihnachten ist die Zeit der Geschenke. Blickt der Chef zufrieden auf das Geschäftsjahr zurück, wartet nicht nur im Familienkreis, sondern auch im Betrieb eine reiche Bescherung. Mit kleinen Aufmerksamkeiten belohnen Unternehmen ihre Mitarbeiter. Dass man gleichzeitig Steuern sparen kann, ist ein willkommener Nebeneffekt: Kreatives Schenken als Mittel zum Zweck. Doch nicht jedes Präsent gewinnt die Zustimmung des Finanzamts und der Gerichte.

So wendete ein Arzt einer Sprechstundenhilfe neben ihrem Gehalt 4.000 spanische Peseten (49,80 DM) in bar zu. Eine ausländische Währung sei kein Geld, sondern mit Tankgutscheinen oder Eintrittskarten vergleichbar, war der Mediziner überzeugt. Er versteuerte es deswegen wie einen Sachbezug - nämlich gar nicht, da der Wert unter der für Sachbezüge damals gültigen Freigrenze von 50 DM lag. Der BFH war anderer Meinung. »Das bloße Verbringen einer ausländischen Währung in das Inland kann nicht dazu führen, ihr deswegen fortan die Eigenschaft als Geld abzusprechen«, belehrten die Richter den Doktor (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 27.10.2004, BStBl. 2005 II S. 135).

Wenn der Chef bei der Betriebsfeier australische Goldnuggets verteilt, könnte das an den gut laufenden Geschäften liegen. Oder er möchte einfach die Sozialabgaben auf das Weihnachtsgeld sparen und bringt es deswegen in Edelmetall statt in Euro unter die Angestellten. Das vermutete jedenfalls das Landessozialgericht Hessen und verurteilte den Unternehmer auf Nachzahlung der Beiträge. Was der Schenker nicht wusste: Auf dem fünften Kontinent gelten die Nuggets als offizielles Zahlungsmittel und sind deswegen nichts anderes als Geld (LSG Hessen, Urteil vom 14.7.2005, Az. L 8/14 KR 399/03).

Nicht nur Sozialversicherungsbeiträge, auch die volle Lohnsteuer wird bei solch güldenen Präsenten fällig. Nachdem eine Firma bei der Weihnachtsfeier Goldmünzen verteilt hatte, führte sie die Lohnsteuer darauf nur mit dem pauschalen Steuersatz von 25% ab. Der gilt, wenn Arbeitslohn aus Anlass von Betriebsveranstaltungen gezahlt wird. Das Finanzgericht Münster glaubte nicht, dass das besinnliche Beisammensein der Grund für die Überreichung der 550 Euro teuren Münzen war. Vielmehr sei es eine Belohnung für die über das Jahr erbrachte Leistung gewesen und deswegen wie Weihnachtsgeld zu behandeln. Eine Begünstigung wäre z.B. dann gerechtfertigt gewesen, wenn durch wertvolle Tombolapreise die Attraktivität der Veranstaltung hätte gesteigert werden sollen (FG Münster, Urteil vom 14.7.2004, EFG 2005 S. 282, Az. der Revision beim BFH: VI R 58/04).

Auch wenn Gold und Edelsteine nicht als Präsente anerkannt sind, reich werden kann der Angestellte auf der Weihnachtsfeier dennoch: Lotterielose dürfen, sofern ihre Kosten die Freigrenze für Sachbezüge von 44 Euro pro Person nicht überschreiten, steuer- und sozialabgabenfrei verschenkt werden (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG). Glückspilze haben nicht nur Fortuna, sondern auch das saarländische Finanzministerium auf ihrer Seite: Ein möglicher Millionengewinn bleibt vom Fiskus unangetastet, stellte es in einem Erlass klar (FinMin des Saarlandes, Erlass vom 10.2.2004, Az. B/2 - 4 - 20/04 - S 2334).

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