Selbstständige: Nicht anerkannte Verluste durch Segmentierung von Tätigkeiten

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Steuerliche Verluste werden nur dann anerkannt, wenn Gewinnerzielungsabsicht vorliegt. Fehlt es daran, so handelt es sich um Liebhaberei und die Verluste dürfen nicht mit anderen positiven Einkünften verrechnet werden. Doch wie geht man vor, wenn ein Unternehmer verschiedene, wirtschaftlich eigenständige Tätigkeiten ausübt?

Nach der Rechtsprechung des BFH ist in diesem Fall die Gewinnerzielungsabsicht nicht einheitlich für die gesamte Tätigkeit, sondern gesondert für jede einzelne Tätigkeit zu prüfen. Nach dieser Segmentierungstheorie werden die Gewinne besteuert, während die Verluste als Liebhaberei unter den Tisch fallen.

So erging es einem Unternehmer, der in seinem landwirtschaftlichen Betrieb eine Pensionspferdehaltung und daneben eine Pferdezucht betrieb. Er trennte in seiner Buchführung und EÜR nicht zwischen beiden Bereichen und erzielte insgesamt einen Gewinn. Doch bei einer Betriebsprüfung führte das Finanzamt für beide Bereiche eine getrennte Gewinnermittlung durch. Und dabei stellte sich heraus, dass aus der Pferdezucht trotz hoher Züchtungserfolge auf Dauer Verluste resultierten. Diese Verluste wurden mit Hinweis auf eine erforderliche Segmentierung steuerlich nicht anerkannt. Es ergingen geänderte Steuerbescheide für neun Jahre, was zu einer hohen Steuernachzahlung führte.

Der Unternehmer klagte und bekam vor dem Finanzgericht recht (FG Köln vom 9.9.2010, 10 K 2460/07, EFG 2012 S. 1621). Die Richter machten deutlich, dass eine Segmentierung ausscheidet, wenn die verlustbringende Tätigkeit die andere Tätigkeit wesentlich fördert. Und genau diese Situation lag ihrer Ansicht nach hier vor:

  • Aus baurechtlichen Gründen war der Unternehmer gezwungen, mit der Pferdezucht zu beginnen, wenn er die Pensionspferdehaltung entscheidend ausbauen wollte.

  • 20 % der Pensionspferde bestanden aus selbst gezogenen und dann verkauften Pferden.

  • Das Renommee als Pferdezüchter trug dazu bei, dass der Unternehmer ständig neue Kunden für seine Pensionspferdehaltung gewann.

Dank der überzeugenden Argumentation des Unternehmers blieb es also dabei, dass die Pferdezucht als unselbstständiger Bestandteil der Haupttätigkeit angesehen wurde und daher die Verluste dieses Teilbereichs mit den Gewinnen aus der Pensionspferdehaltung verrechnet werden durften.

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