Schluss mit der Schikane: Voller Vorsteuerabzug für Arbeitszimmer bei Ehepartnern

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Stellen Sie sich folgenden Fall vor: Ein Ehepaar baut ein Haus, der unternehmerisch tätige Ehepartner nutzt einen Raum als Büro oder Praxis. Wenn die Rechnungen auf beide Partner lauteten, war bisher kein Vorsteuerabzug möglich. Das ist jetzt anders - dank einer großzügigen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs.


Der Fall

Ein Ehepaar baut gemeinsam ein Haus (Miteigentum je 50%). Die Kosten betragen 350.000 Euro zzgl. 56.000 Euro MwSt. Der Ehemann ist nebenberuflich Schriftsteller und nutzt im ansonsten gemeinsam bewohnten Haus ein Arbeitszimmer, dessen Größe 15% der Fläche entspricht. Alle Rechnungen wurden auf das Ehepaar ausgestellt. Ein Mietvertrag zwischen dem unternehmerisch tätigen Ehepartner und der Ehegattengemeinschaft besteht nicht.

Das Problem

Wenn die Rechnungen nicht allein auf den Unternehmer ausgestellt waren, lehnte die Finanzverwaltung in einem solchen Fall den Vorsteuerabzug bisher komplett ab. Eine formalistische Schikane?

Die Antworten des Europäischen Gerichtshofes (EuGH vom 21.4.2005, Az. Rs. C - 5/03, HE)

Frage 1: Steht dem Unternehmer grundsätzlich der Vorsteuerabzug für das Arbeitszimmer zu, auch wenn er seine selbstständige Tätigkeit nur nebenberuflich ausübt?
Antwort: Ja. Er muss dafür nur das Arbeitszimmer seinem Unternehmensvermögen zuordnen. Der Vorsteuerabzug ist also nicht auf hauptberuflich Selbstständige beschränkt.

Frage 2: Darf der Unternehmer überhaupt Vorsteuer geltend machen, wenn die Rechnungen für den Hausbau nicht an ihn adressiert sind, sondern an den Ehegatten?
Antwort: Ja. Voraussetzung: Die Ehegattengemeinschaft selbst ist nicht unternehmerisch tätig.

Frage 3: Wie hoch ist der Vorsteuerabzug des Unternehmers?
Antwort: Der Unternehmer darf die gesamte Vorsteuer abziehen, die auf die anteiligen Bauskosten für sein Arbeitszimmer entfällt. Obergrenze ist jedoch die Höhe seines Miteigentumsanteils.

Aus den anteiligen Kosten, die auf das Arbeitszimmer entfallen, darf der Unternehmer also die gesamte Vorsteuer ziehen. In unserem Beispielsfall sind das 15% der insgesamt in Rechnung gestellten Vorsteuer - immerhin 8.400 Euro!

Damit wird auch dem attraktiven »Seeling-Modell« Tür und Tor geöffnet. Danach ist bei Zuordnung zum Unternehmensvermögen der Vorsteuerabzug für das gesamte Gebäude möglich. Die Privatnutzung wird dann als Privatanteil versteuert. Bezogen auf den Beispielsfall heißt das: Der Unternehmer darf 50% der Vorsteuer aus den gesamten Baukosten abziehen.

Ausführliche Informationen zum »Seeling-Modell« finden Sie in den »Steuertipps für Selbstständige« in einem eigenen Beitrag.

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