Kassenführung: Der Fiskus schaut ganz genau hin!

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Wenn die Buchführung nicht stimmt, darf das Finanzamt Zuschätzungen aufgrund eines Zeitreihenvergleichs vornehmen. Das kann teuer werden.

In einem vom FG Münster entschiedenen Fall ging es um den Betreiber einer Speisegaststätte, der für seine Bareinnahmen eine elektronische Registrierkasse führte. Einen Teil seiner Bareinnahmen buchte er jedoch nicht über die Kasse; außerdem waren die Tagesendsummenbons nicht vollständig bzw. nicht datiert.

Das Finanzamt betrachtete die Buchführung als nicht ordnungsgemäß und schätzte Umsätze und Gewinne auf Grundlage eines Zeitreihenvergleichs hinzu. Dabei ermittelte es wöchentliche Rohgewinnaufschlagsätze und bildete für je zehn aufeinanderfolgende Wochen Mittelwerte. Den jeweils höchsten Mittelwert wendete es auf den erklärten Wareneinkauf an.

Der Wirt erklärte dagegen, seine Buchführung sei korrekt. Er wehrte sich gegen die Zuschätzungen und machte grundsätzliche Bedenken gegen die Anwendung des Zeitreihenvergleichs geltend.

Die Finanzrichter stellten sich jedoch auch die Seite des Finanzamts: Die Kassenführung des Wirts, der wegen des hohen Anteils des Bargeschäfts eine erhebliche Bedeutung zukomme, sie nicht ordnungsgemäß, da nicht alle Bareinnahmen in der Registrierkasse erfasst worden sind, erklärten sie. Die unvollständigen bzw. teilweise nicht datierten Tagesendsummenbons seien zudem nicht geeignet, eine Gewähr für die vollständige Erfassung der Einnahmen zu bieten.

Zur Zulässigkeit von Zeitreihenvergleichen führten sie aus: Der Zeitreihenvergleich stelle eine geeignete Schätzungsmethode für eine Speisegaststätte dar. Er gehe davon aus, dass eingekaufte Waren innerhalb eines kurzen Zeitraums verbraucht werden und dass es in der Praxis kaum möglich ist, den Wareneinkauf wochenweise genau zu verschweigen. Dies gelte jedenfalls dann, wenn sich die Betriebsstruktur im Schätzungszeitraum nicht wesentlich verändert hat. Als innerer Betriebsvergleich liefere der Zeitreihenvergleich ein wahrscheinlicheres Ergebnis als andere Methoden (z.B. eine Richtsatzschätzung).

(FG Münster vom 26.7.2012, 4 K 2071/09 E,U , Nichtzulassungsbeschwere beim BFH: Az. X B 183/12)

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