EDV-Berater ohne Studium als Freiberufler anerkannt?

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Bei freiberuflichen Einkünften wird zwischen drei Gruppen unterschieden: den Katalogberufen, den ähnlichen Berufen und den weiteren freiberuflichen Tätigkeiten.

Üben Sie einen technischen Beruf aus, können Sie über die Ähnlichkeit mit dem Katalogberuf des Ingenieurs oder Architekten zum Freiberufler werden. Die von diesen Berufsgruppen ausgeführten Leistungen kann daher auch jede andere Person erbringen. Die Ähnlichkeit hängt von vergleichbaren technischen Kenntnissen ab. Im Mittelpunkt steht somit die Berufsausbildung.

Mit einem technischen Hochschulabschluss in der Tasche ist der Nachweis kein Problem. Weitaus schwerer haben es Autodidakten ohne einen technischen Berufsabschluss, wie ein aktuell veröffentlichtes Urteil des FG Hamburg zeigt.

Die Richter entschieden: Die Tätigkeit eines EDV-Beraters, der keinen (Fach-)Hochschulabschluss im Fach Informatik hat, ist nur dann als ingenieurähnlich und damit freiberuflich zu qualifizieren, wenn er nachweisen kann, dass er sich das Wissen eines Informatikers mit Bachelorabschluss in vergleichbarer Breite und Tiefe auf andere Weise im Wege der Fortbildung und/oder des Selbststudiums oder ggf. anhand eigener praktischer Arbeiten angeeignet hat. Stehen diese Tatsachen nicht zur Überzeugung des Gerichts fest, hat es auf Antrag eine Wissensprüfung beim Steuerpflichtigen durchzuführen. Ergibt die Prüfung, dass er in elf von zwölf grundlegenden Modulen des Bachelorstudiengangs Informatik keine aus-reichenden Kenntnisse besitzt, ist der Nachweis nicht geführt und kommt es auf die praktische Arbeit des Klägers nicht an (FG Hamburg vom 14.7.2015, 3 K 207/14 ).

Wir haben eine Übersicht über Berufe/berufliche Tätigkeiten erstellt, die von den Gerichten/der Finanzverwaltung als freiberuflich oder gewerblich eingestuft wurden. Sie können das Dokument hier kostenlos abrufen.

Vorteile der Freiberuflichkeit

Wenn Sie als Selbstständiger Einkünfte aus freiberuflicher Arbeit erzielen, haben Sie verschiedene steuerliche Vorteile:

Vorteil 1: Freiberufler zahlen keine Gewerbesteuer

Erzielen Sie als Selbstständiger gewerbliche Einkünfte, sind Sie zur Abgabe einer Gewerbesteuererklärung verpflichtet. Im Umkehrschluss bedeutet das: Liegen keine gewerblichen Einkünfte vor, entfällt die Gewerbesteuerpflicht. Denn die Einkünfte von Freiberuflern werden nicht vom § 15 EStG erfasst, an dem die Gewerbesteuerpflicht anknüpft.

Selbstständige mit gewerblichen Einkünften werden allerdings auch nicht sofort zur Kasse gebeten, sondern erst, wenn der Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500,00 € übersteigt. Und muss tatsächlich Gewerbesteuer gezahlt werden, ist eine Anrechnung auf die Einkommensteuerschuld möglich. Im Endergebnis stellt die Gewerbesteuer heute kein großes Problem mehr dar.

Vorteil 2: Einnahmen-Überschuss-Rechnung stets zulässig

Freiberufler dürfen ihren Gewinn immer per Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermitteln. Diese Form der Gewinnermittlung ist einfacher und kostengünstiger als das Erstellen einer Bilanz. Auf die Unterstützung durch einen Steuerberater kann oft verzichtet werden. Freiberufler können sich aber auch freiwillig für die Bilanzierung entscheiden.

Auch viele Gewerbetreibende können ihren Gewinn über die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Voraussetzungen: Der Jahresumsatz liegt nicht über 600.000,00 € und der Jahresgewinn übersteigt nicht 60.000,00 €.

Vorteil 3: Istbesteuerung unabhängig von der Umsatzhöhe

Freiberufler, die ihren Gewinn über eine EÜR ermitteln, können unabhängig von der Umsatzhöhe ihre Umsatzsteuer immer nach der vorteilhaften Istbesteuerung berechnen. Die Umsatzsteuer ist in diesem Fall erst dann an das Finanzamt abzuführen, wenn der Kunde gezahlt hat.

Achtung: Freiwillig bilanzierenden Freiberuflern mit einem Vorjahresumsatz über 600.000,00 € steht die Istbesteuerung nicht zu.

Kleine Gewerbetreibende genießen dieselben steuerlichen Vorzüge. Daher ist es oft nicht weiter schlimm, wenn das Finanzamt Ihre Einkünfte als gewerblich einstuft.

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