Begünstigter Aufgabegewinn: Vorsicht beim Arbeitszimmer!

 - 

Ein Anwalt verkaufte seine Einzelpraxis, vereinbarte mit dem Käufer eine freiberufliche Mitarbeit und behielt sein großes Arbeitszimmer. Das hätte er besser nicht getan.

Denn der 65-Jährige setzte damit die Begünstigung beim Aufgabegewinn aufs Spiel: Damit die steuerliche Belastung nicht zu hoch ist, hat der Gesetzgeber für eine Betriebsaufgabe zwei wichtige steuerliche Vergünstigungen vorgesehen, die allerdings nur dann greifen, wenn der Unternehmer bei der Betriebsaufgabe bereits 55 Jahre alt ist oder eine dauernde Berufsunfähigkeit vorliegt:

  • einen Steuerfreibetrag von 45.000 Euro und
  • die ermäßigte Besteuerung eines über den Freibetrag hinausgehenden steuerpflichtigen Aufgabegewinns mit nur 56% des durchschnittlichen Steuersatzes.

Die Steuervorteile werden einem Unternehmer aber nur dann gewährt, wenn er sich bei seiner Betriebsaufgabe an ganz bestimmte Vorgaben des Gesetzgebers hält. Zwei Dinge waren im Fall des Anwalts wichtig:

  1. Freiberufliche Mitarbeit des Verkäufers:
    Grundsätzlich darf der Praxisverkäufer während der nächsten drei Jahre nicht am selben Ort freiberuflich tätig sein. Nur so ist sichergestellt, dass der Praxiswert (Mandantenstamm) auch tatsächlich auf den Käufer übergeht, meint der BFH. Allerdings: Die freiberufliche Mitarbeit beim Käufer seiner Praxis ist erlaubt.
  2. Größe des Arbeitszimmers:
    Der Verkäufer arbeitete weiter in seinem großen Arbeitszimmer mit Bibliothek, das sich in seinem Privathaus befand. Dieses Arbeitszimmer, das sich noch im Eigentum des Verkäufers befindet, gehört zu den wesentlichen Betriebgrundlagen! Da das Büro im Betriebsvermögen zurückbehalten wurde, darf der Verkäufer den Aufgabegewinn nicht begünstigt versteuern.

Steuertipp
Die Begünstigung beim Aufgabegewinn wäre erhalten geblieben, wenn der Anwalt das Praxisbüro ins Privatvermögen überführt hätte (z.B. durch Schenkung an die Ehefrau oder seine Kinder). Denn dann werden die stillen Reserven vollständig aufgelöst.

Weitere News zum Thema

  • Gut für Unternehmer: Rückwirkung von Rechnungsberichtigung

    [] Berichtigt der Unternehmer eine Rechnung für eine von ihm erbrachte Leistung, wirkt dies auf den Zeitpunkt der ursprünglichen Rechnungsausstellung zurück. Mit dieser Entscheidung ändert der BFH seine bisherige Meinung und widerspricht der Finanzverwaltung. Warum das für Unternehmer wichtig ist. mehr

  • Partyservice: Wann gelten 7% Umsatzsteuer?

    [] Wer einen Partyservice betreibt, muss aufpassen. Denn nicht alles, was außer Haus zum Kunden geliefert wird, unterliegt dem ermäßigter Umsatzsteuersatz. Das zeigt ein aktuell veröffentlichter Beschluss des FG Hamburg. mehr

  • EÜR: Keine Pflicht zum Kassenbuch, aber Aufzeichnungen müssen sein!

    [] Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG besteht zwar grundsätzlich keine Pflicht zum Führen eines Kassenbuchs, denn es gibt keine Bestandskonten und somit auch kein Kassenkonto. Trotzdem müssen Geschäftsvorfälle fortlaufend, vollständig und richtig verzeichnet werden. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.