Arbeitszimmer absetzen trotz anderem Arbeitsplatz: So geht's!

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Das Finanzgericht Sachsen-Anhalt hat entschieden, dass ein Unternehmer unter bestimmten Umständen bis zu 1.250 € für sein Arbeitszimmer absetzen darf, auch wenn es im Betrieb noch einen anderen Arbeitsplatz gibt.

Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können Sie bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 € absetzen, wenn Ihnen für einen bestimmten Teilbereich Ihrer beruflichen Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als Ihr häusliches Arbeitszimmer zur Verfügung steht.

Aber wann liegt kein anderer Arbeitsplatz vor? Auch wenn dies anhand der Umstände des jeweiligen Einzelfalls geprüft werden muss, gibt ein Urteil des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt eine Richtschnur für den persönlichen Fall (FG Sachsen-Anhalt vom 1.3.2016, 4 K 362/15). Leider ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig und Revision anhängig (Az. III R 9/16).

Im vorliegenden Fall ging es um einen selbstständigen Logopäden. Die Betriebsprüferin war der Ansicht, dass für die Bürotätigkeiten des Logopäden in seiner Praxis ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehe und erkannte deshalb die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer nicht an.

Dagegen klagte der Logopäde vor dem Finanzgericht und war erfolgreich. Folgende Gründe führten nach Ansicht der Richter zum Betriebskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer:

  • Bei einer einfachen Entfernung von 47 km zwischen Wohnung und Praxis ist es nicht zumutbar, dass der Logopäde außerhalb der Öffnungszeiten seiner Praxis, also am Abend oder am Wochenende, diese Strecke zurücklegt, um dort Bürotätigkeiten zu erledigen.

  • Der in der Praxis vorhandene Büroarbeitsplatz kann kein anderer Arbeitsplatz für den Logopäden sein, da dieser von Angestellten genutzt wird und für ihn somit nicht verfügbar ist.

  • Die Praxisräume und deren Ausstattung sind nicht geeignet, vertrauliche Dokumente, wie Lohnabrechnungen und Patientenakten, entsprechend zu bearbeiten und zu verwahren.

Wurde Ihnen in einem vergleichbaren Fall der Betriebsausgabenabzug für Ihr häusliches Arbeitszimmer verwehrt? Dann sollten Sie Einspruch einlegen und Ruhen des Verfahrens beantragen. Das Finanzgericht hat die Revision beim BFH zugelassen (Az. III R 9/16).

Kritiker könnten jetzt sagen, dass sich die Meinung des Finanzgerichts nicht mit dem Gesetz deckt. Aber stimmt das? Ein anderer Arbeitsplatz impliziert schließlich, dass dort alle betrieblichen Aufgaben erledigt werden können. Ist das z B. wegen fehlender Vertraulichkeit im Nebenraum eines Ladenlokals nicht der Fall, gibt es unter dem Strich auch keinen geeigneten anderen Arbeitsplatz. Die Frage bleibt also durchaus spannend!

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